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rotes Kaninchen in blau - wie sieht das aus?

von reh » 29. Aug 2004 18:07

rotes Kaninchen in blau - wie sieht das aus?

Hallo,

hat jemand von euch mal ein Foto von einem verdünnten roten Kaninchen (AbCdG bzw. ABCde)?

Also ein normales rotes Kaninchen mit dem Gen für Blau / Verdünnung / Dichte, wie immer man es nennen mag. Ein oranges sozusagen.

Hintergrund der Frage ist, zu erkennen welche Roten hell sind weil sie schwache Rotmodifizierer tragen und welche heimlich blau sind. ;-)
mit freundlichen Grüßen
reh

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von Samthase » 10. Sep 2004 23:53

Rot - Blau -verdünnt - dilute.

Hallo!
Ich habe zufällig ein "oranges" im Nest.
Mutter ist schwarz-weiß, Vater lux -weiß. Grundsätzlich war ich total erstaunt!!! Habe es nun mit roten (Gelbrex), schwachen Thüringern, lux etc verglichen (auch mit dem engl. Fawn) und komme zu der Ansicht, dass es Orange ist.
Ich versuche nun auch ein Bild reinzuhängen.
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von reh » 31. Jan 2005 09:41

Nachdem ich mich schon länger frage, ob man bei den Roten blau nun sieht oder nicht (internat. sind Rote in der Genformel mit rot, wildfarbig und Breitband angegeben, für blau und braun sind Striche für unbekannt), schreibt Hochstrasser nun, dass sich blau und braun nur auf dunkles Pigment auswirken.

Nun stellt sich mir die Frage, wo kommt dann die Sandfabe vom Separator her, wo all diese cremefarbigen Kuschelkaninchen? Alles nur niedrige Rotmodifizierer oder was sonst?

Andererseits lese ich, dass Luxkaninchen (ABcdG) eine dunkle rotbraune Zwischenfarbe haben, da käme es hin.

Außerdem fällt auf,das er an keiner Stelle den Begriff Dense, Dilute oder Dichte erwähnt, er spricht nur von slaty.
mit freundlichen Grüßen
reh

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von NiceDay » 1. Feb 2005 01:10

Hallo!

Einerseits bewundere ich G. Hochstrasser, da er den Mut hatte eine Darstellung der Biosynthese von Eu- und Phäomelanin zu bringen, die bei den meisten wohl auf Unverständnis stoßen wird. Andererseits halte ich die vorliegende Arbeit für problematisch, da die gewonnenen Erkenntnisse aus dem Themenkreis "Maus" stammen (siehe Literaturhinweise 11) und 12) - ... affect the proliferation of mouse melanocytes in culture, ... TRP2, maps to and is mutated at the mouse slaty locus).

Grundsätzlich ist dagegen nichts einzuwenden. Nur ist es relativ schwierig die fünf Hauptgene "ABCDG" des Kaninchens den dementsprechenden Genen der Maus zuzuordnen. Hier stehen nämlich mehr als 120 zur Auswahl. Die für das Havannabraun-Allel genannte Punktmutation bei Position 86 (Cys 86 Tyr) gilt für die Maus. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass dies auch beim Kaninchen der Fall ist. Dies würde bedeuten, dass die Abfolge der Nucleotide des TRP1-Gens bei Maus und Kaninchen zu 100 % übereinstimmen. Das ist unwahrscheinlich.

Bei "slaty" (TRP-2), "brown" (TRP-1) und der "Tyrosinase" (A-a) handelt es sich um Enzyme, die bei der Pigmentsynthese eine wesentliche Rolle spielen. Der Ausfall eines dieser "Katalysatoren" kann zu entscheidenden Änderungen im Erscheinungsbild führen. Die von Hochstrasser erwähnte Mutation im "slaty-Locus" führt zu dunkelgrau-braunem Eumelanin. Ich halte es jedoch nicht für sinnvoll, wenn diese Mutation mit "d" ("diluted") gleichgesetzt wird, da ich nach wie vor der Meinung bin, dass es sich bei "Blau" um "verdünntes Schwarz" handelt.

Die bei der Maus bekannten Mutationen lassen sich grob in sechs Klassen einteilen.
  1. Mutationen, welche die Entwicklung und Wanderung der Melanozyten betreffen,
  2. Mutationen der Melanozyten-spezifischen Genexpression,
  3. Mutationen, die die Morphologie der Melanozyten beeinträchtigen,
  4. Mutationen, welche die Struktur und Funktion der Melanosomen beeinflussen,
  5. Mutationen der an der Pigmentsynthese beteiligten Enzyme ("albino Locus", "slaty", "brown", ...) und
  6. Mutationen, welche die Regulation der Pigmentsynthese "stören".

Bei den Mutationen, welche die Morphologie, die "Gestalt" der Melanozyten betreffen, wird bei der Maus unter anderem auch der "dilute locus" erwähnt. Das betreffende Gen ist schon seit langem bekannt und wurde bereits 1981 kloniert. Die Mutation führt zu einer generellen Verdünnung ("dilution") der Farbe, wobei die von den Melanozyten produzierten Pigmente "normal" sind, der Transport zum wachsenden Haar bzw. zu den benachbarten Keratinozyten ist jedoch gestört. Betroffen sind - siehe "generell" - sowohl Phäo- als auch Eumelanin. Ich finde diese Erklärung einfach passender!

"Slaty" bzw. das Enzym "TRP-2" könnte jedoch bei jenen "blauen" Kaninchen eine Rolle spielen, die unter der Deckfarbe einen leichte Zwischenfarbe bzw. einen braunen Schleier zeigen. Dieses Phänomen ist zumindest mir bei "Blauen Wienern" und "Loh blau" bekannt.

Noch kurz etwas zum Luxkaninchen. Ich finde es erstaunlich, dass Majaura in Zusammenhang mit der hellen Unterfarbe am Rücken den Breitbandfaktor erwähnt. Ich war bis jetzt immer der Meinung, dass Kaninchen, die den Breitbandfaktor besitzen, eine durchgehend helle bzw. weiße Bauchunterfarbe besitzen. Das ist beim Luxkaninchen jedoch nicht der Fall. Diese ist blau. Ich hätte einen anderen Vorschlag. Da wir schon bei der Maus sind - wie wäre es mit "Bw" (white-based brown). Braun mit weißer Basis, das natürlich nur am Rücken!!??

(Verwendete Literatur: "Molecular and Developmental Genetics of Mouse Coat Color", Ian J. Jackson, Annu. Rev. Genet. 15 ?? 28: 189-217, 1994).

Mit freundlichen Grüßen

NiceDay
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