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Zusammenhang Mantelscheckung-Punktscheckung

Stichworte: Punktscheckung, Scheckung, Scheckungsmuster

von Anja » 15. Mär 2006 16:24

Zusammenhang Mantelscheckung-Punktscheckung

Ich zermater mir mal wieder den Kopf.....

Im letzten Jahr sind aus zwei Würfen einer Japanerfarbigen Häsin (mit jeweils einem anderen Dalmatiner s/w Rammler) u.a. je ein Mantelschecke gefallen.
Diesen Mantelschecken habe ich nun wiederum mit einem Dalmatiner verpaart und unter den Jungen finden sich Mantelschecken und Dalmatinerschecken.

Wie ist der genaue Zusammenhang zwischen Mantel und Dalmatinerscheckung?
Anja
 
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von NiceDay » 17. Mär 2006 01:06

Tag!

Sowohl bei den Mantelschecken als auch bei den Dalmatiner-Rexen weisen die schwach gezeichneten Tiere mehr oder weniger stark ausgeprägte Merkmale der Zeichnung der "Englischen Schecke" auf. Das wären vor allem Ansätze einer Kettenzeichnung, ein unterbrochener Aalstrich und größere Farb"kleckse" im Bereich der Hüftpartie. Laut Niehaus sind beide Scheckungsvarianten auf das Zeichnungsbild der "Englischen Schecke" zurückzuführen.

MfG NiceDay
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schwach gezeichneter Zwergwidder grau-weiß aus der Verpaarung zweier Mantelschecken
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von Anja » 17. Mär 2006 09:25

Ich habe mal irgendwo etwas von einer Therorie zu Scheckungsmodifikatoren gelesen, weiß aber nicht mehr wo...

Wie ließe sich erklären, das aus einer Verpaarung einer einfarbigen Häsin mit einem Dalmatiner sowohl einfarbige als auch mantelschecken als auch dalmatiner fallen und bei einer Verpaarung eines dieser mantelschecken wiedrrum an einen Dalmatiner dann wiederrum Mantelschecken, Einfarbige und Dalmatiner fallen. Die Zeichnungsbilder sind übrigens klar abgrenzbar, so dass ein dalmatiner klar als solcher zu erkennen ist und ein mantelschecke eben auch klar erkennbar. Absolut kein wischiwasci, sondern klare Erbgänge.....

Gibt es eine Vererbungsreihe zu den Punktschecken?
???
Km =mantelgescheckt
Kd=dalmatiner
?????

und kann es sein, dass der Semiletalfaktor garnicht zwangsläufig an den Weißanteil gebunden ist, sondern an die Punktgröße? Ich habe festgesetllt, dass Tiere mit kleineren Punkten klar körperlich den "kräftigeren Punkt" Tieren unterlegen sind und auch von der Konstitution insgesamt feingliedriger sind.
Anja
 
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von reh » 18. Mär 2006 14:16

mit freundlichen Grüßen
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von NiceDay » 18. Mär 2006 16:15

Tag!

Die Erfahrungen der letzten 15 Jahren (Kleinwidder grau-weiß, später Zwerg-Widder grau-weiß und chin-weiß bzw. Dalmatiner-Rexe eines sehr guten Bekannten) haben gezeigt, dass die Scheckung, ob nun Mantel-, Dalmatiner- oder Englische Scheckung, mehr oder weniger dem Zufall unterliegt. Die schwach gezeichnete Häsin der Zwergwidder grau-weiß wurde von mir bewußt gewählt, da an diesem Tier zumindest in groben Zügen das Zeichnungsbild der Englischen Scheckung erkennbar ist. Das heißt jedoch nicht, dass alle schwach gezeichneten Tiere meiner Zucht ein derartiges Aussehen haben. Manche könnten sogar als Mantelschecken bezeichnet werden, obwohl Paarungsexperimente gezeigt haben, dass die Tiere reinerbige Schecken sind. Überrascht war ich auch vom Umstand, dass z.B. bei der Verpaarung einfärbiger Tiere aus Scheckenwürfen mit Mantelschecken bei weitem besser gezeichnete Tiere fallen, als wenn eine einfärbige Häsin mit einem schwach gezeichneten Rammler verpaart wird. Bei letzterer Paarung weisen zwar alle Jungtiere eine Mantelscheckung auf, der Anteil an Tiere mit Brustflecken ist hier jedoch bei weitem größer. Alles in allem lässt sich das Zeichnungsbild im Laufe der Jahre durch Verwandtschaftszucht festigen. Das dürfte auch der Grund sein, warum in deinem Fall neben Mantelschecken auch Tiere mit Dalmatiner-Zeichnung fallen, vor allem dann, wenn der Dalmatiner oder der Mantelschecke bereits aus einem derartigen Stamm kommen.

In Zusammenhang mit Scheckungsmodifikatoren kommt mir immer wieder ein Bild in den Sinn, das zwei geklonte gescheckte Kälber zeigt, die sich bezüglich des Scheckungsmusters sehr wohl unterscheiden. Hier dürfte ein Themenbereich eine Rolle spielen, der von den einen als "Epigenetik", von anderen als "Genomic Imprinting" bezeichnet wird. Als Beispiel ist das "Prader-Willi-Syndrom" bzw. das "Angelman-Syndrom" zu nennen. Die molekularen Ursachen beider Krankheiten sind zwar die selben, die Auswirkungen stellen sich jedoch höchst unterschiedlich dar. Beim "Genomic Imprinting" spielen "nachträgliche" Veränderungen der DNS eine Rolle, welche das Ablesen der genetische Information unmöglich machen. Die Frage, ob derartige "Modifikationen" bei der Scheckung eine Rolle spielen oder nicht, lässt sich nicht beantworten. Ich denke, daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Die Idee die Vererbungsreihe mit Km bzw. Kd zu bezeichnen finde ich übrigens nicht übel. Um deren Gültigkeit zu beweisen, bedarf es jedoch einer weit höheren Anzahl an Verpaarungen.

Die Wirkungsweise des Semiletalfaktors ist eine eigene Geschichte. Bei der von dir aufgestellten These, fehlt es zumindest mir an Vergleichsmaterial. Wenn ich die Erfahrungen meines Bekannten in Betracht ziehe, dessen Zucht der Dalmatiner-Rexe ich seit mittlerweile über 25 Jahren verfolge, muss ich das verneinen. Die Tiere, die nur erbsengroße Punkte aufweisen, unterscheiden sich bezüglich der Vitalität nicht von jenen, die einen Punktdurchmesser von 1, 2 und mehr cm aufweisen. Erstaunlicherweise spielt der Semiletalfaktor in meiner Zwergwidder-Zucht keine Rolle. Meine schwach gezeichneten Tiere, die ich auch schon zur Zucht einsetzte, unterschieden sich in ihrer Konstitution nicht von ihren mantelgescheckten oder einfärbigen Genossen und Genossinnen. Etwas anders war die Situation bei meinen Kleinwiddern in grau-weiß. Hier war der Semiletalfaktor eindeutig festzustellen und äußerte sich vor allem im Umstand, dass die reinerbig gescheckten Tiere sich im Nest im Kampf um die Milch vehement durchsetzten, im Alter von sechs Wochen bei weitem besser entwickelt waren als ihre nicht- oder standardgerecht gescheckten Geschwister, im Alter von etwa 12 Wochen jedoch einen massiven Einbruch erlitten und in Folge in der Entwicklung etwas zurückblieben. Vorbeschriebenes tritt laut Auskunft eines Züchters der Dt. Widder gescheckt bei diesen noch stärker in Erscheinung. Inwiefern die Wirkung des Faktors von der Körpergröße abhängig ist, kann ich nicht sagen. Einen gewissen Einfluss dürfte z.B. die Art und Weise der Füterung bzw. Haltung ausüben.

In Bezug auf den Semiletalfaktor bzw. das Megacolon wird immer wieder Wieberneit's Arbeit, vorgestellt im DKZ 17/1995, genannt. Diese ist insofern interessant, da sie auch die breite Variabilität im Ausprägungsgrad der auftretenden Scheckungsmuster behandelt. Die Arbeit befasst sich vor allem mit Deutschen Riesenschecken und Englischen Schecken und enthält einige interessante Hinweise, wie z.B. den, dass für eine heterozygote Schecke (Kk) ein Pigmentierungsgrad von nur 6 % ermittelt werden konnte. Die Mantelscheckung bzw. die Dalmatiner-Scheckung wird, wenn überhaupt, nur gestreift. Nichtsdestotrotz werden die Ergebnisse dieser Studie auf die Zucht der Mantel- und Dalmatinerschecken übertragen. Das ist meines Erachtens ohne zusätzliche Untersuchungen gar nicht möglich und hätte beeinsprucht werden sollen. Damals hat man es verschlafen, heute ist es zu spät!

MfG NiceDay
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von reh » 27. Sep 2009 22:02

Re: Zusammenhang Mantelscheckung-Punktscheckung

weiterführendes Thema: viewtopic.php?f=3&t=871
mit freundlichen Grüßen
reh

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