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Vollfarbig mit blauen Augen

von eichhorn33 » 19. Jul 2014 20:42

Vollfarbig mit blauen Augen

Moin .
Ich habe z.Zt. einen Wurf mit sechs Jungtieren aus :

Häsin Satinwidder havanna-sallander ohne weiß mit br.A.
-- Großmutter A. Satinwidder havanna-sallander mit weiß (Mantelschecke oder pseudo Holländer mit zufällig weißen Ohren oder WO ?) bl.A.
-- Großvater A. Satinwidder havanna-sallander br.A. Mantelschecke


Rammler Satinwidder rot-creme-weiß pseudo Holländer bl.A.
-- Großmutter B. Zwergwidder ST. creme-havanna-weiß (Blesse und Pfote) bl.A.
-- Großvater B. Satinwidder creme-weiß-schwarz Holländer bl.A.
-- bei den Urgroßeltern B. auch überwiegend zwei.- und dreifarbige Holländer mit bl.A.

Die Jungtiere sind :
3x helles havanna-sallander br.A.
2x havanna-orange Japaner br.A.
1x rote Häsin ohne weiß mit einem braunem und einem kräftig blauen Auge !

1.Frage:
Kann man bei Großmutter A. aufgrund der blauen Augen auf die Scheckungsart schließen ?

2.Frage :
Wie kann das rote Jungtier ohne weiß ein blaues Auge haben ?

3.Frage :
Gibt es schon Farbschläge (nicht zwingend nur bei den Zwergen) ohne weiß mit blauen Augen ?

4.Frage :
Mit was könnte man die kleine Häsin sinnvoll verpaaren , um evtl. vollfarbige Tiere mit sogar zwei bl.A. zu bekommen ?

Gruß Anja
Benutzeravatareichhorn33
 
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von Joanie » 21. Jul 2014 14:32

Re: Vollfarbig mit blauen Augen

Hallo Anja,

also die blauen Augen lassen ja immer auf die Holländerverwandschaft und den damit verbundenen leuzistischen Anteil schließen. Ich habe schon ziemlich oft solche Jungtiere in meinen Würfen gehabt, die nur sehr wenig weiß aufwiesen und herrlich blaue Augen hatten. Ein Jungtier in kompletter Vollfarbe ohne jeglichen Weißanteil aber mit blauen Augen hatte ich noch nicht. Allerdings hat meine eine Häsin, wirklich nur einen winzigen weißen Stirnpunkt und ist ansonsten vollfarbig mit strahlend blauen Augen. Sie kommt natürlich aus einer Verpaarung mit Holländeranteil. So weit ich weiß kann es sein, dass wirklich nur 1-3 weiße Haare an einem Tier mit blauen Augen vorhanden sind, die Ausdruck der leuzistischen Scheckung durch den Holländeranteil sind und die finde mal. Ich gehe davon aus, dass bei einer Verpaarung mit diesem Jungtier immer Tiere fallen werden, die mehr oder weniger leuzistischen Weißanteil haben und dazu mal braune und mal blaue Augen. Allerdings erhöhen sich die Chancen auf Vollfarbige Tiere mit BA um so weniger Weißanteil die Elterntiere haben. Also das ist jedenfalls meine Erfahrung. Bei mir wirft diese Häsin gepaart mit einem Rammler mit deutlich mehr Weißanteil die "farbigsten" Jungtiere von allen anderen Häsinnen, die ebenfalls mehr Weißanteil besitzen wie der Rammler. Da ich aber ebenso festgestellt habe, dass sich das leuzistische Gen ziemlich unberechenbar vererbt, wirst du wohl immer wieder mehr oder weniger Weißanteil dabei haben. Mit unberechenbar meine ich: Ich habe bei zwei gleichen Elterntieren, von denen einer den leuzistischen Anteil trägt in mehreren Würfen immer wieder unterschiedlich viele leuzistische Scheckungsanteile. In manchen Würfen sind es mehr einfarbige Jungtiere und weniger farbig weiß gescheckt BA und in anderen Würfen mit denselben Elterntieren, hatte ich mehr farbig weiß gescheckt BA und weniger einfarbige Jungtiere und die Krönung war ein komplett weißer Wurf BA. Also auch das ist möglich, dass überhaupt kein farbiges Jungtier fällt, wenn leuzistische Scheckung im Spiel ist. Auch vermeintliche Weißköpfe und Weißohren hatte ich schon im Wurf, die natürlich keine echten Weißköpfe bzw. Weißohren sind, sondern einfach nur leuzistische Schecken. Wo der leuzistische Weißanteil sich ausbreitet und in welcher Intensität, also von 1-3 weißen Haaren bis zu komplett weiß BA ist nach meiner praktischen Erfahrung immer ein Lottospiel und nicht vorhersehbar. Aber wie gesagt, bei mir ist es so, dass umso farbiger die Elterntiere sind, umso farbiger in der Regel auch die Jungtiere. Aber es sind auch immer wieder Schecken mit mehr Weißanteil BA oder Braunauge und auch vollfarbige Tiere Braunauge dabei. Ich vermute, dass du dies nicht ausschließen kannst. Eventuell würde ich es mal mit einem Vollfarbigen Tier Braunauge versuchen in der Verpaarung, dann fällt natürlich auch viel Braunauge, aber eventuell auch fast komplett Vollfarbe BA oder ich würde ein Tier mit ganz wenig leuzistischer Weißscheckung BA nehmen und dann gucken, ob sich entsprechend der geringstmögliche Weißanteil durchsetzt.
Meine Ausführungen basieren natürlich nicht auf fachlich korrekten Angaben, falls ich also etwas Falsches geschrieben habe, lasse ich mich von den Fachleuten gern korrigieren. Die oben genannten Dinge, sind rein praktische Erfahrungen aus der langjährigen Zucht mit leuzistischen Schecken.
MfG

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von eichhorn33 » 21. Jul 2014 19:25

Re: Vollfarbig mit blauen Augen

Vielen Dank für Deine ausführliche Antwort .

Der Zusammenhang mit dem Holländerhintergrund ist klar .
Ich habe mir die kleine Häsin vorhin noch mal ganz genau angeschaut , konnte aber nicht ein einziges weißes Haar finden .
Ich habe auch in den Achseln , Leistengegend , Ohrmuscheln und Mundwinkeln geschaut . Nüscht .........
Das blaue Auge ist auch richtig himmelblau , ohne Kleckse .




Joanie hat geschrieben:Auch vermeintliche Weißköpfe und Weißohren hatte ich schon im Wurf, die natürlich keine echten Weißköpfe bzw. Weißohren sind, sondern einfach nur leuzistische Schecken.

Was verstehst Du denn unter echten WK. ? Meines Wissens sind das doch immer nur überzeichnete Holländer ....... ?




Joanie hat geschrieben: Eventuell würde ich es mal mit einem Vollfarbigen Tier Braunauge versuchen in der Verpaarung, dann fällt natürlich auch viel Braunauge, aber eventuell auch fast komplett Vollfarbe BA oder ich würde ein Tier mit ganz wenig leuzistischer Weißscheckung BA nehmen und dann gucken, ob sich entsprechend der geringstmögliche Weißanteil durchsetzt.


Der vollfarbige Rammler br.A. sollte aber nach Deiner Meinung doch auch über Holländer als bl.A.T. gezogen worden sein , nicht ?
Da käme dann ja als Rückverpaarung einer ihrer 5(!) Brüder in Frage .
Oder ein Rammler aus einem anderem Wurf in entweder havanna-orange Japaner bl.A.T. , havanna Rhön bl.A.T. oder einer in blau mit mittlerer Blesse und drei weißen Fußspitzen und bl.A. .

Gruß Anja
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von reh » 21. Jul 2014 20:31

Re: Vollfarbig mit blauen Augen

Ich denke, dass das blaue Auge ohne Weiß am Tier Zufall und nicht systematisch reproduzierbar ist.

Zzum Thema blaue Augen siehe auch viewtopic.php?f=2&t=795&p=5045&#p5045
Diese Art blauer Augen entspricht in der Entstehung einem weißen Fleck im Fell (fehlende Pigmentzellen in der Iris).
mit freundlichen Grüßen
reh

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von Teddy » 21. Jul 2014 22:16

Re: Vollfarbig mit blauen Augen

Hi,

ich les bei Dir, Joanie, immer wieder "Leuzistische Scheckung".

Den Begriff habe ich noch nie gehört - kenne entweder den Leuzismus (Weiß mit BA) oder zB die Plattenscheckung.

Die beiden "Weiß" haben nichts miteinander zu tun...

Täusche ich mich, oder mischt Du gerade zwei genetische Ursachen ???

Die BA bei farbigen Tieren kommen nämlich von der Plattenscheckung und nicht vom Leuzismus...

LG,

Alexandra
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von Joanie » 22. Jul 2014 17:31

Re: Vollfarbig mit blauen Augen

Hallo,

hmmm, also wo fange ich an, um es zu erklären und auch verständlich auszudrücken?

Ich bin der Meinung, dass jeder seine eigene Erklärung zum Verständnis der Genetik finden muss, damit es für ihn nachvollziehbar wird. Ich bin kein Genetikexperte, versuche aber hier mal mein Verständnis der Scheckungsarten wiederzugeben.

Also:

Grundsätzlich beruht jede Form der Scheckung auf einem Defekt in der Neuralleiste. Die Scheckung entsteht dadurch, dass das defekte Gen die Auswanderung der Melanozyten (pigmentbildende Zellen) beeinflusst, so dass zu wenig Melanozyten auswandern und diese darüber hinaus nicht an alle Stellen des Körpers gelangen. Es handelt sich also bei jeder Form von Scheckung um die abgeschwächte Form des Leuzismus. Beim vollständigen Leuzismus befinden sich in der Haut keinerlei Melanozyten mehr, sondern nur noch die Augen haben eine gewisse geringe Anzahl von Melanozyten und erscheinen deshalb beim Kaninchen blau (bei anderen Tierarten auch in anderen Farben). Je nachdem welcher Defekt vorliegt und welche Gene betroffen sind, entstehen dann die entsprechenden Zeichnungsmuster wie Punktscheckung - genetisches Symbol K - und Holländerscheckung - genetisches Symbol s - bis hin zu komplett weißen Tieren mit blauen Augen - genetisches Symbol x - (komplette Ausprägung des Leuzismus) oder die Sonderform des Albinos - genetisches Symbol a - (hier werden zwar genügend Melanozyten gebildet, diese sind jedoch nicht in der Lage Melanin (Farbstoff) zu produzieren, abgesehen von der Sonderform der Scheckung der Siam beispielsweise, die albinotischen Ursprungs ist und auf einer hitzeempfindlichen Tyrosinase - Enzym bei der Synthese von Melanin - beruht).
Die einzelnen Scheckungsformen sind an bestimmte Lokalisationen der entsprechenden unpigmentierten bzw. pigmentierten Stellen gebunden, die auch entsprechend vererbt wird, so dass ein Punktschecke eben wieder Punktschecken und ein Holländerschecke wieder entsprechende Holländerschecken, Weißohren wiederum Weißohren usw. hervorbringen. Dabei ist es vom Ausprägungsgrad des entsprechenden Gendefektes abhängig ob die jeweilige Scheckungsart in ihrer züchterisch gewünschten Idealform auftritt oder davon abweicht, was sich z.B. in sogenannten überzeichneten Tieren äußert und beispielsweise bei den Holländerschecken mit s1...3 gekennzeichnet wird.

Umstritten ist bei den Fachexperten nach meinem Wissen, ob der Leuzismusfaktor inkl. der blauen Augen an die Plattenscheckung als weitere Mutation des entsprechenden Genes gekoppelt ist bzw. ein separates Gen darstellt. Hier gibt es wohl unterschiedliche Auffassungen, allerdings soll es wohl überwiegend in Kombination mit Plattenscheckung zu blauen Augen kommen.

Dies ist soweit mein Verständnis des Auftretens der unterschiedlichen Scheckungen.

Bei der Verpaarung unterschiedlicher Scheckungsarten scheinen sich die entsprechenden Lokalisationen teilweise zu verschieben. So entstehen z.B. bei der Verpaarung von Punktschecke mit Holländerschecke Jungtiere, die eindeutige Punktschecken sind, jedoch weiße oder gefleckte Ohren oder einen komplett weißen Kopf aufweisen, meist in Verbindung mit blauen Augen, aber nicht immer. Bei beiden Elterntieren sind jedoch keine sogenannten Weißohren oder Weißköpfe vorhanden. Man kann also nicht von echten Weißohren oder Weißköpfen sprechen, wie sie züchterisch angestrebt und entsprechend verpaart werden, um das gewünschte Zeichnungsbild zu erhalten, welches bereits von zumindest einem Elterntier phänotypisch gezeigt wird. Hier wird die Scheckung also für meine Begriffe "unberechenbar", weil unpigmentierte Bereiche entstehen, die so bei den einzelnen Elterntieren und deren Vorfahren eigentlich aufgrund des dort defekten Genes nicht vorhanden sind. Die Scheckungen mischen sich also untereinander und es entstehen beispielsweise Punktschecken mit Holländermerkmalen. Hinzu kommt, wie bereits in einem oberen Beitrag geschrieben, dass bei der Verpaarung von Scheckentieren, die Anzahl und Ausprägung der Scheckung nicht vorherzusehen ist.

Soll also heißen: Bei der Verpaarung von Punktschecke x Holländerschecke fallen Jungtiere, die einfarbig, mantelgescheckt, holländergescheckt, punktgescheckt, rein weiß Blauauge sein können. Bei der Verpaarung von zwei Holländerschecken in der Idealzeichnung fallen Jungtiere, die von S über s1 bis s3 alle möglichen Scheckungen aufweisen können bis hin zu weiß Blauauge. Die Anzahl und Ausprägung der einzelnen Scheckungsarten kann bei gleichen Elterntieren in unterschiedlichen Würfen komplett variieren. Wie in einem früheren Beitrag bereits geschrieben, habe ich aus einer wiederholten Punktschecke x Holländerschecke Verpaarung mit denselben Elterntieren, komplett unterschiedliche Würfe erhalten, die teils überwiegend Vollfarbentiere und nur wenige Schecken brachten sowie teils überwiegend Schecken und nur einzelne Vollfarbentiere bis hin zu einem kompletten Wurf weiß Blauauge.

Entsprechend den oben gemachten Ausführungen spreche ich also von leuzistischen Scheckungen bzw. von vermeintlichen Weißohren oder Weißköpfen sowie von "unberechenbaren" Scheckungen.

Ich hoffe, ich konnte mich verständlich ausdrücken. Ich habe absichtlich in hoffentlich allgemein verständlicher Form ohne besondere spezifische Fachterminologie geschrieben, damit auch der interessierte Laie eventuell die Erklärung verfolgen kann.

Sollte meine Erklärung fachlich nicht korrekt sein, lerne ich gern durch entsprechende Aufklärung dazu.

MfG

Joanie
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