Das selbständige dominante Farbfelderteilungsgen J
Gedanken über den Japanerfaktor von Gerhard Hochstrasser

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Artikeltyp: Fachartikel, Veröffentlicht am 30. Jul 2008 10:28 von reh
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Mittlerweile bin ich davon überzegt, dass der Japanerfaktor kein dominantes, von der Gelbreihe verschiedenes Gen ist.
Siehe hierzu auch :arrow: Die Vererbung der Japanerzeichnung :idea:
reh

Autor und Copyright: Gerhard Hochstrasser
Verwendung des Textes an anderer Stelle nur mit Genehmigung des Autors.
Erschienen in der Kaninchenzeitung, Heft 9/2001.


In diesem Artikel wird das Gen, das beim Vorhandensein des Gens „b“ (aus der B-Reihe) 1) die bekannte Japanerfärbung hervorbringt, Gen für Farbfeldererzeugung bzw. Farbfelderteilungsgen genannt. Dieses Gen nur „Japanerfaktor“ zu nennen ist ebenso unrichtig, wie das Allel „go“ nur „Lohfaktor“ zu nennen (statt Faktor für das Erhalten der Wildfarbigkeitsabzeichen bzw. Abzeichenbewahrungsfaktor) 2). Um aber in der althergebrachten Tradition zu verbleiben, werde ich im folgenden das Farbfelderteilungsgen symbolisch durch „J“ darstellen („J“ bedeutet, daß keine Farbfelderteilung vorhanden ist). In der Schweiz wird der „Japanerfaktor“ beim dortigen Japanerkaninchen auch Mosaikfaktor genannt. 3) „Farbfelderteilungsfaktor“ und „Japanerfaktor“ ist genetisch dasselbe, wenn die Japanerkaninchen aber in den verschiedenen nationalen Standards mit etwas unterschiedlicher „Zeichnung“ verlangt werden, so heißt das immer nur eine Selektion in eine bestimmte Richtung und eine Einschränkung der natürlichen großen Variabilität. Angeführt sei das verschiedene Aussehen der Rhönkaninchen und der englischen Magpies, die beide genetisch identisch sind.

Die bisher gültige Farbformel der schwarz-gelben Japanerkaninchen lautet AbjCDG/AbjCDG, wobei auch AbjCDgo/AbjCDgo und AbjCDg/AbjCDg möglich wären, wenn man das Gelb als Thüringergelb 4) wünscht. Betrachtet man nur die schwarz-gelbe Japanerfärbung und ihre Dominanz über die einfache Thüringerfarbe (AbGDg/AbCDg), so erscheint es glaubhaft, daß bei der Japanerfärbung ein bj-Faktor (oder bj-Gen) vorliegt. Dem ist aber nicht so, denn viele Kreuzungen haben wildkaninchengraue und chinchillafarbige F1-Nachkommen ergeben, die dunkle Streifen auf der weißen Bauchoberfarbe und auch am Kopf aufwiesen. Am Rücken und an den Flanken sind etwas dunklere Farbfelder schwerer erkennbar, sie sind aber vorhanden. „Das Erscheinen dieser Färbung in Farbfeldern, „die stärker als die einfache Wildfarbigkeit ist“, kann weder „japanerfarbig“ bezeichnet werden, noch auf ein „Japanerfaktor“ genanntes Gen zurückgeführt werden. Das Gen, das die Farbfelderteilung auf Wildkaninchengrau und Chinchillafarbig hervorbringt, ist zwar das gleiche wie das, das beim AbCDG-Tier die sogenannte Japanerfärbung bedingt, nur hängt es nicht am b-Gen, sondern ist ein außerhalb der Grundfarbformel stehendes Gen, das beim europäischen Kaninchen (Oryctolagus cuniculus ibericus) erst in der Domestikation entstanden ist. Als Grundfarbformel wird ABCDG/ABCDG, die Farbformel des Wildkaninchengraus, angesehen. Diese Grundfarbformel hier ist eine Kurzformel, die ganze Formel mit dem entsprechenden Gen aus der Eumelaninkontrollreihe und jenem aus der Phäomelaninkontrollreihe lautet (gemäß meiner Arbeit in Kaninchen 7, 8 und 9/1998) 5) ABCDGE1Y1/ABCDGE1Y1. Das außerhalb dieser Farbformel stehende Farbfelderteilungsgen ist dominant über sein Fehlen bei einfarbiger Wildfarbigkeit: Die Symbole sind als „J“ (beim Vorhandensein der Farbfelder) und „j“ (beim Fehlen der Farbfelder) benannt. Demnach lautet also die Farbformel für das typische (nicht zu rote und nicht zu dunkle) Thüringerkaninchen AbCDgE1Y1j/AbCDgE1Y1j und für Japanerkaninchen mit Thüringergelb AbCDgE1Y1J/AbCDgE1Y1J. Auf die gesamte Farbenpalette gehen vier weiter unten gebrachte Tabellen ein.

Frühere Erklärung

Als man nur vom „Japanerfaktor“ sprach und gestreifte wildkaninchengraue und chinchillafarbige Tiere unbeachtet ließ, fanden sich die Züchter mit der Erklärung ab, der sogenannte Japanerfaktor bj sei aus einer kombinierten Mutation der beiden Farbfaktoren Be (eisengrau) und b (gelb) entstanden. Emil Piegsa (Bielefeld) hatte diese Erbanlage folgendermaßen erklärt 6):
Durch den Eisengrau-Faktor Be entsteht die tiefschwarze Farbe beim Japaner, durch b die gelben Farbfelder. Der bj-Japanerfaktor wirft sozusagen die beim Wildgrauen zonenweise angeordnete horizontalen Farbfelder in die vertikale Lage, die Farbfelder beiderseits des Körpers sind so regelwidrig verteilt, daß diese auf der einen Seite niemals mit der anderen genau übereinstimmen.

Piegsa unterschied beim Japaner zwei verschiedene Farbenschläge:
1. AbjCDG/AbjCDG als Wildfarb-Japaner und
2. AbjCDg/AbjCDg als im biologischen Sinne reinerbige Japaner ohne Wildfarbigkeits-Faktor“ (eine schwarz-gelbe Rasse).
Hinzu kommt dann noch deren Kreuzungsprodukt AbjCDG/AbjCDg, das „von den reinerbigen G/G-Tieren im Erscheinungsbild schwer zu unterscheiden ist“.

Dieser jahrzehntelangen gültigen Meinung einer kombinierten Mutation der beiden Farbfaktoren Be und bj hatten praktisch alle Autoren (darunter der Schreibende) zugestimmt, weil ja keine andere Erklärung geäußert worden war. Dabei aber ist (Niehaus 1986, S. 81) 7) eine Kombination unterschiedlicher Allele der gleichen Serie nur in spalterbiger Form möglich. Da Japanerkaninchen aber reinerbig sind, sind sie auch keine Träger einer kombinierten Mutation zweier Allele der B-Reihe. Eine kombinierte symbolische Darstellung des Japenerfaktors als „bej“, wie sie Rinker (1992) 8) vorgeschlagen hatte, ist demnach fehlerhaft.

Auch müssen wir festhalten, daß es einen Superfaktor Be (oder BE), der der B-Reihe und dem B-Faktor der urtümlichen Wildkaninchenfarbe vorangestellt wird, nicht geben kann. Auch nicht als Verlegenheitslösung, denn würde es diesen geben, so müßte er anstelle des Grundfaktors stehen, und der Grundfaktor B hätte als b-Faktor erscheinen müssen. Das wäre aber für eine Grundfarbformel unakzeptabel gewesen, die das in sich sehr stabile Wildkaninchengrau symbolisieren sollte. Nicht verschwiegen sei hier, daß der bekannte (leider im April 1997 verstorbene) Fachautor Rudolf Hiltbrand aus Steffisburg (Schweiz) einmal der Meinung war 9), die Urfärbung der Wildkaninchen sei „dunkelgrau“ gewesen. Im allgemeinen aber sind die Fachautoren der Meinung, daß der Faktor „B“ einer der eigentlichen Pigmentfaktoren (zusammen mit C und D) sei. Ein Überschauen der Literatur ergibt folgende Benennungen:
Gruhn (1967) 10): B = Farbfaktor Schwarz (b=Farbfaktor für Gelb),
Dorn (1956) 11); B = Faktor für blaugrauen Untergrund,
Tunger (1957) 12): B = Erbfaktor für blaue Grundfarbe am Haarboden,
Wilde (1954) 13): B = Schwarz (b = Madagaskarfarbig),
Dorn (1968) 14): B = Erbanlage für dunkles Pigment,
Burmeister (um 1940) 15): B = eigentlicher Pigmentfaktor,
Weißenberger (1973) 16): B = eigentlicher Pigmentfaktor,
Niehaus (1986, S. 60/61 und 82/83): B = Schwarz bzw. eigentlicher Pigmentfaktor,
Rodel (1957) 17): B = eigentlicher Pigmentfaktor für Gelb,
Pockrandt (1952) 18): B = Grundfaktor für dunkles Pigment (b = fehlende dunkle Pigmente),
Te (1952) 19): B = graublaue Unterfarbe,
Wulf (1951 ) 20): B = eigentlicher Pigmentfaktor,
Bleichwehl (1985) 21): B = Pigmentfaktor,
Arnold (1985) 22): B = Braunfaktor,
Weishaar (1968) 23): B = Erbfaktor für dunkles Pigment,
Wiedmer (1982, S. 307): B = eigentlicher Pigmentfaktor,
Balkenohl (1965) 24) nannte die Faktoren B, C und D „Farbentwicklungsfaktoren“,
Wütz (1991 ) 25): B = Braunausfärbung und Weishaar (1991) 26) nannte „Be eine Vorstufe des Erbfaktors B.
Anhand dieser wenigen Zitate ist klar erkennbar, daß eine Vereinheitlichung der Terminologie notwendig ist.

Der Farbfelderteilungsfaktor als selbstständiges Gen

Daß der „Japanerfaktor“ (richtig: der Farbfelderteilungsfaktor) ein Gen außerhalb der Grundfarbformel sein müßte, hatte (in deutscher Sprache) erstmals Bernhard Graf 1990 festgehalten. 27) Seine Erkenntnisse zeigen klar, daß der Japanerfaktor nicht an die B-Reihe gekoppelt ist und sich Nichtgestreift-Wildgrau gegenüber dominant verhält. Seinen überzeugenden Darlegungen bin ich gefolgt und habe ihm in einem Leserbrief zugestimmt. 28)

Eine Bestätigung der Grafschen Darlegungen kam bei der Herauszucht der rhönfarbigen Widderzwerge aus der Feder von Zuchtfreund Hornung 29) 1991, der u.a. „zwei wildgraue Häsinnen, F1-Generation und F2-Generation, mit deutlich erkennbarer Japaner- bzw. Rhönzeichnungsanlage am Bauch“ abbildete. Er schlußfolgerte zu dieser „Zeichnungsanlage“ (also dem Erscheinen der Farbfelder bei Wildkaninchengrau): „Diese Beobachtung und die von Bernd Graf in DKZ 17/90 beschriebenen Beobachtungen zwingen dazu, über den Japanerfaktor differenzierter nachzudenken und die klassische Lehre von der B-Serie einer kritischen Prüfung zu unterziehen.“

Dieser Aufforderung komme ich hiermit nach. Heute darf ich hoffen, daß die Arbeitsweise der außerhalb der Grundfarbformel ABCDG/ABCDG liegenden Allele der Eumelaninkontrollreihe (e3 - e2 - e1 - E1 - E2 -E3) und jener der Phäomelaninkontrollreihe (y3 - y2 - y1 - Y1 - Y2 - Y3) von hellster Farbverblassung bis hin zu Stahlgrauschwarz und Rötest-Hasenfarbig verstanden wurde.

Weiter veröffentlichte Zuchtfreund Kirschke aus Wilhelmshaven 30) in Kaninchen 1/1996 seine Erkenntnisse über die Kreuzung von Japaner x kupferfarbigen Satinkaninchen. Er schließt anhand seiner Ergebnisse, daß es sich bei der „Japaner-Streifenzeichnung“ um einen „Atavismus“ handeln müßte, daß „diese Zeichnung auch auf Wildfarbig zu sehen ist“ und „daß die Japanerzeichnung dominant vererbt“. Als „Atavismus“ bezeichnete er die Tatsache, „daß ich, wenn ich einen Japaner mit irgendeiner anderen Fellfarbe verpaare, bei allen Jungen gleich eine Japanerzeichnung erhalte“ (solche Fälle bildet er auch ab). In Wirklichkeit aber entspricht diese Beobachtung nicht einem Atavismus 31), sondern belegt die Tatsache, daß der Farbfelderteilungsfaktor „J“ ein außerhalb der B-Reihe stehendes dominantes Gen ist. Abschließend kann ich noch die Erkenntnisse des Erforschers der Rhönkaninchen, Werner Haß (vgl. DKZ 22/90, S. 11 und 3/91, S. 21) aus einem an mich gerichteten Brief zitieren, Erkenntnisse, die in dieser Form noch nicht veröffentlicht wurden und die die Kreuzungen Japaner x Blau-Loh und Rhön x Kleinchinchilla betreffen:
1. Japaner und Blau-Loh: Die Fragestellung, die mich hier bewegte, war, wie Japaner mit Loh-Faktor aussehen. Ich entschied mich für die Paarung einer Streifen-Japaner-Häsin mit weißen Flecken am Bauch. Aus diesem Phänotyp habe ich den Genotyp AbjCDG geschlossen. Die F1-Generation mußte daher die Formel ABCDG/AbjCdgo tragen.
Aussehen der F1: Die F1-Tiere hatten das Aussehen von rötlich-wildgrauen Kaninchen (ähnlich hasenkaninchenfarbig), wobei auf dem Rücken bei intensivem Hinsehen dunklere Flecken erschienen. Einem nicht eingeweihten Betrachter wären sie kaum aufgefallen. Deutlich waren die Japanerzeichen jedoch auf dem hellen Bauch zu sehen, wenn der Japanerfaktor dort überhaupt mit Flecken ausgebildet vorhanden war.
Aussehen der F2: In der F2-Generation aus den Wurfgeschwistern erhielt ich neben F1-farbigen Tieren auch vollbildlich japanerfarbige Kaninchen, die sowohl das Streifen-Japanerbild als auch das geblümte Japanerbild zeigten. Die Bauchfarbe war lohfarbig mit gelegentlich dunklen Flecken.
Aussehen der F3: In der Nachzucht von F2-Tieren mit Japanerzeichnung erhielt ich bei der Anpaarung an Schwarzloh (???), die mitunter (so wie sich der Japanerfaktor, auch der spalterbig anwesende, eben zeigt) wieder schwarze Flecken am Bauch trugen. Schlußfolgerung: Damit habe ich für mich nachgewiesen, dass
a) der Japanerfaktor der aus der F2 verwendeten vollbild-japanerfarbigen Tiere reinerbig vorlag und
b) durch Ausbleiben von G-Tieren in der F3 der go-Faktor ebenfalls reinerbig vorhanden war.
c) Für Ihre (meine - G.H.) Fragestellung bezüglich der Reihenzuordnung des bj-Faktors zur B-Reihe oder außerhalb ist festzuhalten, dass die Zuordnung zur B-Reihe zu bejahen ist: bj ist semidominant gegenüber B.

2. Rhön und Kleinchinchilla: Der Grund dieser Anpaarung lag für mich darin, daß ich mich mit Rhönkaninchen beschäftigen wollte, als sie noch in der Form der Neuzüchtung vorlagen und ich froh war, überhaupt ein Zuchttier (1,0) zu erhalten.
Aussehen der F1: Das Aussehen der F1-Tiere war erwartungsgemäß chinchilla-wildfarbig. Wie oben bei der F1-Japaner- und Blau-Loh-Generation beschrieben, gab es dunklere Flecken in der Rückendecke und dunklere Flecken am hellen Bauch zu sehen. Also an allen bei G- und go-Tieren helleren Stellen kann sich der spalterbige Japanerfaktor bemerkbar machen; auch wenn es - oberflächlich betrachtet - nicht den Anschein hat, aber das erfahrene Züchterauge sieht das.
Aussehen der F2: Aus den F1-Tieren habe ich durch Geschwisterpaarung Rhönkaninchen und F1-farbige Tiere erhalten. - Meine Rhönkaninchen haben sich gesundheitlich nicht als stabil herausgestellt. Deshalb habe ich diese Züchtung nicht weiter verfolgt.

Es kann hier erkannt werden, daß es in der F1-Generation Äußerungen des Farbfelderteilungsfaktors bei rötlich-wildgrauen (ähnlich hasenkaninchenfarbigen) Tieren am Rücken und Bauch gab, ebenso gab es dunklere Flecken in der Rückendecke und am hellen Bauch bei chinchillafarbigen Tieren. Meiner Deutung nach steht der Farbfelderteilungsfaktor bei diesen wildgrauen bzw. chinchillafarbigen Tieren eindeutig außerhalb der B-Reihe, da diese sowohl in der F1-Generation beschriebene Farbfelderteilung auch bei manchen F2-Generation-Tieren erschien (gemäß dem Mendelschen Spaltungsgesetz). Wenn Zuchtfreund Haß aber die Zuordnung des „bj“-Faktors in die B-Reihe mit der Schlußfolgerung betont, „bj sei semidominant gegenüber B“, so bin ich da anderer Meinung. Allen bisherigen Arbeiten gemäß ist das Allel B der Grundfarbformel dominant über bj und b (deshalb lautet ja die B-Reihe auf Be-B-bj-b) - Tiere mit der Farbformel ABCDG/AbjCDG und ABCDG/AbCDG sind also wildkaninchen-grau. Würde aber bj semidominant über B sein, müßte die B-Reihe ja bj - B - b lauten, was zwar theoretisch möglich wäre, dann aber symbolisch durch Bj - B - b ausgedrückt werden müßte. Vorläufig hat noch niemand eine solche B-Reihe vorgeschlagen - sollte es aber den Vorschlag eines semidominanten bj-Faktors neben dem bj-Faktor aus den Arbeiten von Prof. Dr. Nachtsheim (der ja den Faktor bj als dominant über b bezeichnet hatte) geben, so müßte die B-Reihe schon Be-Bj-B-bj-b lauten, was doch ein Unding ist. Und wie einfach ist es daneben, den Farbfelderteilungsfaktor als ein Gen außerhalb der Grundfarbformel zu erklären (wie beim Faktor K für Punktscheckung), wodurch die Allele Bj und bj aus der B-Reihe fallen. Der Be-Faktor fällt aus der B-Reihe, weil er kein Grundfaktor, sondern ein Modifikationsfaktor ist. Das ist eindeutig, weil Dr. Niehaus (1986, S. 182) ja „Modifikationsgene“ folgendermaßen definiert: „Modifikatoren, nicht allele Gene, die die phänotypische“ Wirkung der ‚Hauptgene‘ verstärken oder abschwächen, ohne daß sie selbst auf andere Weise phänotypisch in Erscheinung treten.“ Außerhalb der Grundfarbformel stehen nicht nur die Rotfaktoren (Y), sondern auch die Dunkelungsfaktoren (E) und natürlich jene, die die Farbverblassung des Eumelanins als auch des Phäomelanins bewirken. Dieser Vergleich geht von der Wildkaninchenfärbung als ruhendem Pol aus - ich habe die Möglichkeiten der Modifikationsgene innerhalb der Eumelanin- und der Phäomelaninkontrollreihe erfaßt.
Wenn wir von den - hier vereinfachten - Farbformeln ABCDGJ für gestreiftes Wildkaninchengrau, achiBCDGJ für gestreiftes Chinchilla, AbCDGJ für Japaner und achibCDGJ für Rhön ausgehen, hätten wir folgende vier Farbformeltabellen zu besprechen:
I. Farbenschlagtabelle für gestreiftes Wildkaninchengrau usw.
1. mit G2. mit go3. mit g
schwarzABCDGJABCDgoJABCDgJ
blauABCdGJABCdgoJABCdgJ
havannaABcDGJABcDgJABcDgoJ
fahlblauABcdGJABcdgoJABcdgJ
Erklärungen zu I:
1. Auf der weißen Bauchoberfarbe erscheinen dunkle Streifen oder (auch) Flecken, auch am Kopf sind dunklere Stellen recht gut erkennbar; dunklere Streifen oder (auch) Flecken am Rücken nur schwer erkennbar.
2. Die Bauchoberfarbe ist cremefarbig und zeigt dunkle Streifen oder (auch) Flecken. Auf der einfarbig dunklen Rückenfarbe können natürlich keine Streifen erkannt werden.
3. Da der ganze Körper einfarbig ist, kann keine Streifung erscheinen
II. Farbenschlagtabelle für gestreiftes Chinchillakaninchengrau usw.
1. mit G2. mit go3. mit g
schwarzachiBCDGJachiBCDgoJachiBCDgJ
blauachiBCdGJachiBCdgoJachiBCdgJ
havannaachiBcDGJachiBCdgJachiBCdgoJ
fahlblauachiBcdGJachiBcdgoJachiBcdgJ
Erklärungen zu II:
1. Auf der weißen Bauchoberfarbe erscheinen dunkle Streifen oder (auch) Flecken, auch am Kopf sind dunklere Steifen recht gut erkennbar (s. Abbildungen); die dunkleren Streifen oder (auch) Flecken sind am Rücken nur schwer erkennbar.
2. Die Bauchoberfarbe ist weiß, die Tiere zeigen die bekannte Färbung der Weißgrannen. Die dunklen Streifen sind am Bauch erkennbar, am Rücken natürlich nicht.
3. Da die Tiere einfarbig sind, kann keine Streifung erkannt werden (genetisch ist sie aber vorhanden und wird vererbt).

II.a) Farbenschlagtabelle für gestreiftes Dunkel-Chinchillagrau usw.
Das Allel ad ersetzt das Allel achi. Die Tiere sehen wie Chinchilla aus, weisen aber Nestbräune und leicht gelbliche Zwischenfarbe auf. Dunkel-Chinchilla haben keine marmorierten Augen, auch keine blauen 32), während bei zu hellen Chinchilla auch marmorierte und sogar blaue Augen auftreten können. Sonst aber gelten dieselben Erklärungen wie bei Standard-Chinchillagrau. Farbformel: jeweils ad statt achi.

II.b) Farbenschlagtabelle für gestreiftes Marder-Chinchillagrau usw.
Das Allel am ersetzt das Allel achi. Die Tiere sehen wie zu helle Chinchillas aus, wobei statt dem Spitzenschwarz der Standardchinchilla hier ein Tiefbronzefarbig erscheint. Die Farbformeln, in welchen jeweils am statt achi erscheint, sollen hier nicht in Tabellenform dargestellt werden, weil diese Farbenschläge nicht gezüchtet werden. In den angelsächsischen Ländern kommen die Marder-Weißgrannen allerdings als Rasse vor, nur ohne Farbteilungsfaktor (Marten Sable und Marten Smoke Pearl).

II.c) Farbenschlagtabelle für gestreiftes Hell-Marder-Chinchillagrau usw.
Während das Dunkel-Marderkaninchen die Farbformel amBCDg/amBCDg (Zobel) trägt, trägt das Standard-Marderkaninchen die Farbformel amBCDg/anBCDg. Das dem Standard-Marderkaninchen entsprechende Standardmarder-Chinchillagrau (amBCDG/anBCDG) wird nicht gezüchtet - es ist noch „heller“ als das reinerbige Marder-Chinchillagrau. Eine Kombination mit dem Farbfelderteilungsfaktor ist genetisch kein Problem, nur sind die resultierenden Farbenschläge ohne Ausdruckskraft.

II.d) Farbenschlagtabelle für gestreiftes Russen-Chinchillagrau usw.
Das Allel an ersetzt hier das Allel achi 33). Für die Kombination mit dem Farbfelderteilungsfaktor ist dieses Allel uninteressant.
III. Farbenschlagtabelle für Japaner
1. mit G2. mit go3. mit g
schwarzAbCDGJAbCDgoJAbCDgJ
blauAbCdGJAbCdgoJAbCdgJ
havannaAbcDGJAbCdgJAbCdgoJ
fahlblauAbcdGJAbcdgoJAbcdgJ
Erklärungen zu III
1. Typische Standard-Japaner (vgl. Hermann Schmitt in Kaninchen 1/1994, S. 13). In die ursprüngliche Farbformel AbCDGJE1Y1/AbCDGE1Y1 wurden die stärkeren Rotallele Y2 und Y3 eingebaut, damit das Gelb roter und auch die ursprüngliche weiße Bauchoberfarbe eingefärbt wird. Um die auch bei Roten Neuseeländern ursprünglich vorkommende Extremitätenspitzenfärbung nicht aufkommen zu lassen, wurden gleichzeitig Eumelaninverminderungsfaktoren (e1, e2, e3) eingebaut.
2. Sogenannte Loh-Japaner mit Thüringergelb dort, wo beim Lohkaninchen die dunkle Farbe erscheint. Da jetzt keine ursprünglichen Lohkaninchen mit nur cremefarbiger Lohe mehr gezüchtet werden, ist bei Kreuzungen von Japaner- mit Lohkaninchen schwer zu sagen, ob Japanerkaninchen mit Lohkaninchen verbessert werden können bzw. ob der go-Faktor die Verbesserung bringt oder diese von den Rotfaktoren (Y2 und Y3) der Lohkaninchen herkommt. Da der go-Faktor das Thüringergelb in die Färbung bringt, müssen hier gleichzeitig Eumelaninverminderungsfaktoren eingebaut werden. 34)
3. Japanerkaninchen mit der bekannten Madagaskarfarbe der Thüringer 35) (Hermann Schmitt nannte sie „schwarzgestreifte Thüringer“), dafür aber mit gelber Bauchoberfarbe. Da es aber auch Thüringer ohne Schleier und Extremitätenschwarz geben kann (sie tragen dann die Eumelaninverminderungsfaktoren e2 und e3 statt des normalen Eumelaninkontrollgens E1), kann es auch g/g-Japaner ohne „schmutzigen Ton“ im Gelb geben. Wenn man dazu noch zusätzliche Rotfaktoren hinzufügt, ergeben sich als Farbformel AbCDge2Y2J/AbCDge2Y2J, AbCDge2Y3J/AbCDge2Y3J, AbCDge3Y2J/AbCDge3Y2J, AbCDge3Y3J/AbCDge3Y3J, wobei man Träger dieser Farbformel von solchen mit den Farbformeln AbCDGe2Y2J/AbCDGe2Y2J, AbCDGe2Y3J/AbCDGe2Y3J, AbCDGe3Y2J/AbCDGe3Y2J, AbCDGe3Y3J/AbCDGe3Y3J phänotypisch nicht mehr unterscheiden können wird.
IV. Farbenschlagtabelle für Rhön
1. mit G2. mit go3. mit g
schwarzachibCDGJachibCDgoJachibCDgJ
blauachibCdGJachibCdgoJachibCdgJ
havannaachibcDGJachibCdgJachibCdgoJ
fahlblauachibcdGJachibcdgoJachibcdgJ
Erklärungen zu IV
1. Typische Standard-Rhön (vgl. Hermann Schmitt in Kaninchen 2/1992, S. 15), die nicht die regelmäßigere „Zeichnung“ der Japaner zeigen sollen. In England werden die genetisch identischen Magpies (Elstern) gezüchtet, die hier der Japaner-Zeichnung folgen sollen. 36)
2. Tiere mit der Farbformel achibCDgoJ könnten volkstümlich als Weißgrannen-Rhönkaninchen bezeichnet werden, weil sie ja den Wildfarbigkeitsbewahrungsfaktor go (falsch: „Lohfaktor“) tragen. Über Tiere mit dieser Erbanlage schrieb Dr. Niehaus (1987, S. 126) 37) nach Robinson (1958), daß Rhönkaninchen mit dem Wildfarbigkeitsfaktor G oder auch der „Anlage für Lohzeichnung go“ die klarsten Farben auf weisen, „weil dann die Ausbildung des gelben Pigments völlig unterbunden ist“. Daß das beim Vorhandensein des Faktors G der Fall ist, wissen wir aus den Arbeiten von Hermann Schmitt. Für go kann aber nicht dasselbe wie für G gelten, denn bei go erscheint ja die einfarbige Decke wie bei g. Und für die Farbformel achibjCDg belegt Dr. Niehaus nach Robinson eindeutig das Erscheinen von „schmutzigen“ Farben. Soweit als farblich ABCDg mit ABCDgo übereinstimmt, müßte auch achibjCDg mit achibjCDgo betreffs der genannten „schmutzigen“ Farben übereinstimmen, wenn keine anders wirkenden Modifikationsgene im Spiel sind. Da es heute genug Rhönkaninchen gibt, sollte auf die Zucht mit Trägern der Faktoren go und g verzichtet werden. Es wird heute wohl niemand versuchen, drei genetisch verschiedene Rhönrassen (achibjCDG, achibjCDgo und achibjCDg oder genauer achibCDGJ, achibGDgoJ und achibCDgJ) standardmäßig zu fordern, nur weil das genetisch erklärbar ist. Es ist aber auch zu verurteilen, daß es eine einzige Standardbeschreibung für drei verschiedene Genotypen gibt - die Standardbeschreibung muß so genau sein, daß sie nur auf einen Genotyp paßt.
3. Während Niehaus (1987, S. 126) für die Rhönkaninchen gleich drei mögliche Genotypen angibt, bringt Dorn (1989, S. 355) 38) dafür klar die Erbformel achibjCDg/achibjCDg. Wie weiter oben mit Dr. Niehaus nach Robinson gezeigt, ist diese Farbformel aber gerade die ungünstigste. Alfred Franke (1999) 39) hatte gezeigt, daß der Herauszüchter der Rhönkaninchen Karl Becker 1973 an Altmeister Friedrich Joppich geschrieben hatte, daß die Rhönkaninchen die Farbforrnel achibjCDG/achibjCDG tragen würden, daß er aber gerade Alaska einkreuze, „um den Wildfarbigkeitsfaktor wegzuzüchten“, und davon „eine fast schwarze Zeichnung erhoffe“.

IV.a) Farbenschlagtabelle für Rhönkaninchen mit ad -Faktor
Prinzipiell wäre nichts gegen Rhönkaninchen mit der Farbformel adbCDGJ/adbCDGJ einzuwenden, da hier ebensowenig ein Färbungsunterschied festzustellen wäre wie zwischen den englischen Foxes (adBCDgo) und den deutschen Weißgrannen (achiBCDgo) (vgl. auch Anm.32) 40).

IV.b) Farbenschlagtabelle für Rhönkaninchen mit am-Faktor
Genetisch gesehen ist es ein Kinderspiel, aus Marder-Chinchillakaninchen (amBCDG) Rhönkaninchen zu erzeugen, nur daß das bei den Standard-Rhönkaninchen vorhandene Schwarz als minimal vorhandenes Dunkelbronzefarbig vorhanden wäre. Optisch und phänotypisch ist die Kombination ambCDGJ/ambCDGJ uninteressant, genetisch aber könnte ich mir ein fahlblaues Marder-Rhönkaninchen (ambcdGJ/ambcdGJ) oder ein fahlblaues Marder-Weißgrannenkaninchen (ambgoJ/ambgoJ) ganz lebhaft vorstellen. Erinnert sei hier an die „schwarzen“ Gelb-Marder (Siamesen) mit der Farbformel ambCDg und an die blauen Gelb-Marder (Siamesen) mit der Farbformel ambCdg, die natürlich auch in den Farbenschlägen Havanna (ambcDg) und Fahlblau (Marburger Feh) (ambcdg) gezüchtet werden könnten. In England werden die Marder und Siamesen sowohl in der dunklen (am.../am...) als auch in der hellen Form (am.../an...) gezüchtet, in Deutschland nur in der hellen Form. Alle diese Färbungen können mit dem Farbenfelderteilungsfaktor J kombiniert werden, nur darf man keine optisch attraktiven Färbungen erwarten, weil überall da, wo Gelb zu erwarten wäre, durch die Wirkung des Marderfaktors Weiß erscheinen wird.

IV.c) Farbenschlagtabelle für Rhönkaninchen mit an-Faktor
Weiter oben war festgehalten worden, daß es drei verschieden starke Russenallele der A-Reihe gibt. Eine Kombination anbCDGJ, anbCDgoJ und anbCDgJ ergibt jeweils fast weiße Tiere, die unattraktiv sind.
Soweit man heute die Wirkung des Farbfelderteilungsfaktors J überblicken kann, ergibt sich eine schier nicht enden wollende Farbenschlagmöglichkeit, wobei aber nur die lebhaft gefärbten Farbenschläge etwas für Ausstellungen sind. Ob man sich bei Japanern Streifen, Farbfelder oder ein Mosaikbild, dazu Spaltkopf oder nicht, wünscht, ist eine willkürliche Trendentscheidung, die durch Einschränkung der natürlichen Variabilität erreicht werden kann. Nicht zu bezweifeln sind die aus Kreuzungen gewonnenen Erkenntnisse, daß der J-Faktor (identisch wie der Punktscheckenfaktor K) ein Gen ist, das außerhalb der Grundfarbformel steht. 41)

Anmerkungen:

1) Ich bleibe hier natürlich innerhalb des sogenannten deutschen Systems der Farbfaktorenbezeichnung durch Buchstaben, wie bei Max Wischer (Grundriß des Fortpflanzungs- und Vererbungsproblems in der Kaninchenzucht unter besonderer Berücksichtigung der Chromosomentheorie und des Mendelismus, Leipzig 1928) und Prof. Dr. Hans Nachtsheim (Vom Wildtier zum Haustier, 2. Aufl., Berlin-Hamburg 1949). Es gibt mehrere Länder, so Ungarn und Rumänien (z.B. Ion Vintila: Mutatii genetice care determina culoarea la animalele de blana si pielicele. Bucuresti 1981), die das deutsche System übernommen haben. Die meisten anderen Länder aber benutzten die „internationalen Symbole“.

2) Vgl. G. Hochstrasser: Untersuchung zur Geschichte der frühen Lohkaninchen in Deutschland (I), Kaninchen 10/1999, S. 12.

3) Vgl. Hans Wiedmer: Kaninchenzucht, 2. Aufl., 1982, S.127.

4) Im Laufe der Jahrzehnte hatte man, um die weiße Bauchoberfarbe wegzuzüchten, verschiedene Einkreuzungen versucht. Es steht aber inzwischen fest, daß den standardmäßigen Idealvorstellungen eines deutschen Japanerkaninchens die Farbformel (traditionell geschrieben) AbjCDG/AbjCDG entspricht, wobei die weißen Wildfarbigkeitsabzeichen durch zusätzlich eingebaute Rotfaktoren (Y2 oder Y3) eingefärbt werden, die genetisch normalerweise (wie bei Roten Neuseeländern) aber vorhandene Spitzenschwärzung durch Eumelaninverminderungsgene (e1, e2 und e3) weggezüchtet wird. Über die richtige Farbformel Abj CDG/AbjCDG gibt es inzwischen die treffenden Arbeiten von Hermann Schmitt (Der Genotyp der Japaner, Kaninchen 1/1994, S. 13), ebenso über die richtige Farbformel der Rhönkaninchen achibj CDG/achibjCDG (Hermann Schmitt: Der Genotyp der Rhönkaninchen, Kaninchen 2/1992, S. 15/16). Vgl. auch Henry Majaura: Gelb und Rot - wild- oder einfarbig?, Kaninchen 12/1992, S. 4/5. Als Karl Becker 1970-1973 die Rhönkaninchen herauszüchtete, gab er als Farbformel achib)CDG/achibjCDG an, wollte aber gleichzeitig den Wildfarbigkeitsfaktor G durch Einkreuzung mit Alaska wegzüchten (Alfred Franke: Rhönkaninchen, Kaninchen 5/1999, S. 4/5). Da die Arbeiten
von Hermann Schmitt für die standardmäßigen Japaner- und Rhönkaninchen eindeutig den G-Faktor festhalten, braucht daran nicht mehr gerüttelt zu werden. Daß der Farbfelderteilungsfaktor keine identische phänotypische Äußerung des G-Faktors wie beim einfarbigen Tier mit Wildfarbigkeitsabzeichen zuläßt, ist bekannt, ändert aber nichts an der Tatsache, daß die standardmäßigen Japaner-und Rhönkaninchen den G-Faktor doch tragen müssen. Es sei denn, man wünscht ausdrücklich das Thüringergelb, über das aber schon die Rassenbeschreibung von 1917/1918 (Wahls Taschenkalender für Kaninchenzüchter auf die Jahre 1917 und 1918, Leipzig-R., S. 134) geschrieben hatte: „Als fehlerhaft muß es gelten, wenn die gelbe Farbe in dem schmutzigmatten Farbtone der Madagaskarfarbe auftritt, also einen blauen bzw. blauschwarzen Schimmer annimmt.“ Gleichsam ungewünscht war schon damals der „schmutziggelbe Ton der Madagaskarfarbe“ im Gelb der Rheinischen Scheckenkaninchen (Wahls Taschenkalender..., S. 189). Das Vorhandensein des G-Faktors gilt also für alle heutigen „Dreifarbenschecken“, egal mit welcher Zeichnung und egal ob normalhaarig oder kurzhaarig. Und natürlich auch für Jamora.

5) Gerhardt Hochstrasser: Varianten der Farbe Wildkaninchengrau und die symbolische Darstellung (I), Kaninchen 7/1998, S. 8-10. - Idem: (II), Kaninchen 8/1998, S. 26/27 und 30. - Idem: (III), Kaninchen 9/1998, S. 12-14. - Die hier gebrachten Farbformeln bieten die Möglichkeit, z.B. zu dunkle und zu rote oder auch zu helle oder nur fahlgelbe Thüringer richtig symbolisch darzustellen, indem man das der Färbung entsprechende Allel der Eumelanin- und der Phäomelaninkontrollreihe einsetzt. Ein zu dunkles Thüringerkaninchen trägt die Farbformel AbCDgE2Y1, ein fast schwarzes AbCDgE3Y1; ein zu rotes AbCDGE1Y2 oder AbCDgE1Y3; ein zu helles (mit kaum Schleier) AbCDge1Y1 oder AbCDge2Y1; ein zu helles, dafür aber sehr rotes AbCDge1Y2 oder AbCDge1Y3 oder AbCDge2Y3 oder AbCDge2Y3. - Vgl. auch Gerhardt Hochstrasser: Färbungsfaktoren bei wild(kaninchen)grauen Rassen, Das Blaue Jahrbuch 2000, Reutlingen, S. 251-260.

6) Emil Piegsa: 50 Jahre Japanerzucht, DKZ 8/1950, S. 1/2.

7) Heinrich Niehaus: Unsere Kaninchenrassen, Band l: Vererbungslehre, Reutlingen 1986, S. 81.

8) H. P. Rinker: Japaner- und Rhönzwerge haben sich etabliert, Kaninchen 8/1992, S. 14/15. Rinker hatte geschrieben: Auch sollte man die bisher geschriebene Erbformel dahingehend korrekterweise ergänzen, daß man bei bj ein bej einfügt. Schwarz innerhalb der Japanerfärbung ist nämlich nichts anderes als das Eisengrau (schwarz) adäquater Rassen...

9) Rudolf Hiltbrand: Von der Wildfarbe zum Sachsengold, DKZ 5/1992, S. 10.

10) Ruth Gruhn: Die Vererbung der Haarfarbe beim Kaninchen, Das Blaue Kaninchenjahrbuch 1967, Reutlingen, S. 89-109.

11) Karl Dorn: SZG DR-JHV, Der Kaninchenzüchter, Nr. 11, S. 125/126, Leipzig 1956.

12) Herbert Tunger: Sprechsaal, Der Kaninchenzüchter, Nr. 29, S. 2888, Leipzig

13) Otto Wilde, Unsere Kaninchenrassen, 1 .Aufl., Reutlingen 1954, S. 30 u. 38.

14) F. Karl Dorn: Rassekaninchenzucht, 2. Aufl., Leipzig 1968, S. 124-134.

15) Walter Burmeister: Fortpflanzung und Vererbung in der Kaninchenzucht, Leipzig (ohne Jahr, um 1940).

16) Karl Weißenberger: Fortpflanzung und Vererbung in der Kaninchenzucht, Minden 1973.

17) E. Rodel: Bau, Entwicklung und Färbung des Kaninchenhaares, Der Kaninchenzüchter, Nr. 4, S. 29-32, Leipzig 1957.

18) Werner Pockrandt: Neues Blut - neue Rassen, DKZ 7/53, S. 1/2.

19) Te: Vom Urahn unserer Rassekaninchen, DKZ, 16/62, S. 5.

20) Hans Wulf: Die Chinchillafarbe, DKZ 12/51, S. 12, 1951.

21) Hermann Bleichwehl: Erbfaktoren, DKZ 12/82, S. 2.

22) Paul Arnold: Grundlagen der Vererbungslehre. Ein Versuch, die Farbsymbole unserer Kaninchenrassen allgemeinverständlicher zu demonstrieren, DKZ 18/85, S. 16-18.

23) Jochen Weishaar: Die Vererbung der Fellfarbe, DKZ 24/68, S. 1.

24) Th. Balkenohl: Das Weißgrannenkaninchen, DKZ 7/65, S. 10/11.

25) Edmund Wütz: Die Zeichnung unserer Widderschecken, DKZ 10/91, S. 12., G.H.: Wie kann eine „Vorstufe“ dominant über den „Hauptfaktor sein? Das Eisengrau-Gen kann nur als Modifikationsgen gelten.

26) Jochen Weishaar: Hasengrau-gescheckte Widderzwerge, DKZ 9/91, S. 10.

27) Bernhard Graf: Eigenständige Erbanlage? Der Japanerfaktor, DKZ 17/90, S. 2., - Bei der Herauszucht von japanerfarbigen Widderzwergen ergab die Kreuzung Wildgrau x Japaner bei der F1-Generation „auf der grauen Farbe helle und dunkle Zeichnungsfelder, wie diese beim Japaner in Gelb und Schwarz in Erscheinung treten“. Dieselbe „Maserung“ erhielt er bei der Kreuzung Perlfeh mit Japaner, nur auf Perlfehfarbig. Deutlich waren die blauen Streifen auf der sonst weißen Bauchoberfarbe da.

28) Gerhardt Hochstrasser: Bemerkenswerte Erbanlagenforschung, DKZ 22/90, S. 2.

29) W. Hornung: In Dortmund vorgestellt: Rhönfarbige Widderzwerge, DKZ 8/91, S. 10-12,1991.

30)Siegfried Kirschke: Kaninchenzucht einmal ganz anders, Kaninchen 1/96, S. 7.

31) Atavismus bedeutet „Auftreten von Ahnenmerkmalen, die ansonsten nur aus der stammesgeschichtlichen Entwicklung bekannt sind“ (Röche Lexikon Medizin, 3. Aufl., München - Wien - Baltimore 1993). Die echte Kaninchenart Oryctolagus cuniculus hat entschieden nichts mit der Färbung der Wald“kaninchen“ auf Sumatra (Nesolagus netscheri) und im laotisch-vietnamesischen Grenzgebiet zu tun. Die gemeinsamen Vorfahren der europäischen Kaninchen und der südost-asiatischen Wald“kaninchen“ dürften vor 40 oder 50 Millionen Jahren gelebt haben.

32) Das Albinismusallel achi bringt auch eine aufgehellte Augenfarbe mit sich. Deshalb ist es logisch, daß Chinchilla mit Augenfehlern oft eine bestechend schöne Chinchillafarbe haben. In Wirklichkeit ist es so, daß die in Deutschland gezüchteten Standard-Chinchilla die dunkelbraunen Augen der Dunkel-Chinchilla mit der Fellfärbung der Mittelfärbig-Chinchilla (die genetische englischeTerminologie ist „light-Chinchilla“, also „Hellchinchilla“) tragen. Der Standard der englischen Chinchilla Giganta (in: Breed Standards 1966-1970. Farnborough, Hants., S. 8) nennt als Augenfarbe klar: „Eyes to be blue, grey or brown“, d.h. blau, grau (marmoriert) oder braun, wobei die Reihenfolge zu beachten ist. Laut James N. Pickard (Notes on Inheritance in the Rabbit. In: 1943 Year book of the British Rabbit Council) trägt das englische Silver-Fox-Kaninchen (Weißgrannen) die Farbformel adbCDgo. Laut „Breed Standards“ können beim schwarzen Farbenschlag der Foxes die Augen braun oder grau sein, wobei aber braun vorgezogen wird. Das letztere spricht für die Farbformel adbCDgo. Laut Pickard wären Tiere mit den Farbformeln adbCDgo/achibCDgo und adbCDgo/abCDgo auch „Foxes“ (Weißgrannen), würden aber unrein züchten.

33) Laut Dr. Niehaus (DKZ 15/1960, S. 3/4) hätte Prof. Dr. Hans Nachtsheim drei erblich verschiedene Typen von Russenkaninchen unterschieden, wobei es einen Typ gegeben habe, der im Jugendkleid leicht Färbung zeigt und genetisch zwischen Marder- und Russenkaninchen steht. Prinzipiell ist es so, daß die Albinoreihe (in der Regel als A - ad- achi - am -an - a dargestellt) klar in zwei Gruppen zu teilen ist: die erste mit Vollfärbung und die zweite mit Extremitätenfärbung, wobei die zweite die Möglichkeit zur Kälteschwärzung hat. Die erste Gruppe umfaßt die Allele ad, achi und am; die zweite Russen mit viel zu großer Maske und schwarzen Haarspitzen in der Rückenoberfarbe, Russen mit gewöhnlich großer Maske und mit viel zu kleiner Maske und auch sonst kaum gefärbten Extremitäten - wobei für alle drei Russenallele eine normale Umwelttemperatur vorausgesetzt wird. Russen mit zu großen Masken und Rückenschwärzung hatte es im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts durchaus oft gegeben. Sie wurden gemerzt wie auch die Tiere mit zu kleinen Masken. Tragen die Russen nicht den g-, sondern den G-Faktor, so ist ihre Färbung eine besonders helle Chinchillafarbe. Russenkaninchen, die den go-Faktor tragen, zeigen die Russenzeichnung bei gleichzeitig weißer Blumenunterseite: Darwin (1873) beschrieb zwei solche langhaarigen Russenkaninchen als „Moskauer Kaninchen“ (Das Variieren der Thiere und Pflanzen im Zustande der Domestication, Stuttgart 1873, oder: Werner E. G. Möbes: Bibliographie des Kaninchens. Halle/Saale - Frankfurt am Main 1946, S. 26). Die Albinoreihe (A = volles Vorhandensein der Tyrosinase, a = vollständiges Fehlen der Tyrosinase), vom Vorhandensein bis zum Fehlen der Tyrosinase, lautet also A - a6 - a5 - a4 - a3 - a2 - a1 - a0. Hier soll aber keine weitere Diskussion darüber erfolgen, auch nicht bei den Rhönkaninchen, weil dies den Rahmen der Arbeit sprengen würde.

34) Zu bemerken ist hier, daß der go-Faktor mit heller Blumenunterseite einhergeht, die sich selbst beim Einbau starker Rotfaktoren nur schwer einfärben läßt (ähnlich auch bei G/G-Tieren). - Gelegentlich (so Rudolf Hiltbrand, Schweiz) wird die Meinung vertreten, es gäbe zwischen den Erbfaktoren G und g mehr als nur eine Zwischenstufe. So vertrat Karlheinz Bock (Kaninchen 9/93, S. 4/5) die Meinung, daß bei Japanern die Genotypen AbjCDG/AbjCDG, AbjCDG/AbjCDg und AbjCDg/AbjGDg vorkämen. Den Genotyp AbjCDgo/AbjCDgo und seine Kombinationen mit G und g erwähnt er nicht, ist aber dafür der Meinung, daß es zwischen G und g „noch mehr Zwischenstufen als den definierten Faktor go“ gäbe. Wenn er solche kannte, hätte er sie schon genauer beschreiben und ihr Dominanz-Rezessiv-Verhalten innerhalb der G-Reihe erklären müssen.

35) Die verschiedenen Autoren äußerten sich im Laufe der Jahrzehnte unterschiedlich über die anzustrebende Idealfarbformel der Japaner, weil die genetischen Kenntnisse noch mangelhaft waren. So forderte 1971 selbst Altmeister Friedrich Joppich, daß die Japanerzüchter den Wildfarbigkeitsfaktor „G“ aus ihren Zuchten verdrängen sollten: Da danach thüringergelbe Japaner (mit Spitzenschwärzung) fielen (Erbfarbformel AbiCDg/ AbiCDg), schlußfolgerte man innerhalb der SZG Japaner, daß auf das Erbbild Abj CDG/AbjCDg hingearbeitet werden sollte (Karlheinz Bock, Kaninchen 9/93 und DKZ 21 /93). - Die Forderung, den Faktor G durch g in den Japanerzuchten zu ersetzen, blieb nicht auf die DDR beschränkt (Alfred Franke, Berlin, in Schweizer Tierwelt 33/76, S. 1489: „ ... daß (bei Japanern) der Wildfarbigkeitsfaktor G durch den Farbfaktor g ersetzt werden muß“.) (Auch für die Rhönkaninchen erachtete er die Farbformeln achibjCDG und achibjCDg als möglich.) - Was für Japanerkaninchen gilt, ist auch für Holländer, japanerfarbig, gültig. So gab Alfred Franke in Kaninchen 2/93, S. 7, als Farbformel der Holländer, japanerfarbig-weiß, Abj CDgs1(s2 ...) an, indem er Dr. Niehaus (Unsere Kaninchenrassen, Bd. II: Rassebeschreibungen, Reutlingen 1987, S. 146) folgte. - Was für Japanerkaninchen gültig ist, gilt natürlich auch für Rheinische Schecken und alle dreifarbigen Schecken. - Wenn Dr. James N. Pickard aus Cambridge 1943 schrieb, daß die Träger der Farbformeln AbjCDG, AbjCDgo und AbjCDg gleich aussehen würden und sich nur durch Testpaarungen zuordnen ließen, so stimmt das nur bei sehr oberflächlicher Betrachtung. Japaner kann man einfach mit Alaska (ABCDg) und Rheinische Schecken mit schwarz-weißen Englischen Schecken (ABCDgK/k) testen: Fallen in der F1-Generation wildgraue bzw. wildgrau-weiße Schecken, so lag die Farbformel AbjCDG vor, fallen aber schwarze oder schwarz-weiße Schecken, so lag die Farbformel mit AbjCDg vor.

36) Über die Rhönkaninchen bzw. über die Übertragung dieser Färbung auf andere Rassen wurde in den letzten Jahren schon viel veröffentlicht. Anhand der klaren Ergebnisse der Forschungsarbeiten von Hermann Schmitt, Rodenbach (Ausgesprochene Genotypen: Japaner und Rhönkaninchen, DKZ 19/90, S. 4/5), mit der Schlußfolgerung, „daß Japaner- und Rhönkaninchen einheitliche Genotypen sind, die beide den Wildfarbigkeitsfaktor tragen“, sollte man meinen, daß sich Diskussionen darüber erübrigen. Leider aber vertreten manche Autoren noch immer andere Meinungen; so Ulrich Reber in der Schweizer Tierwelt, 28/93, wo er bei der Beschreibung der Rhönkaninchen den Standpunkt vertritt, daß diese den Einfarbigkeitsfaktor (g) tragen würden. Es sei hier natürlich nicht abgestritten, daß es heute Japanerzuchten gibt, in denen manche Tiere den g-Faktor tragen und auch Hybriden mit der Formel ... G/g erscheinen, zumal die Literatur (Kaninchen 7/91, S. 21, 3/92, S. 30, 7/93, S. 12, 9/93, S. 4/5,6/94, S. 7) das belegt. Für die Rheinischen Schecken gibt Alfred Franke in Kaninchen 7/98, S. 5, die Farbformel AbjCDgK/AbjCDgk an, obwohl das Thüringergelb (AbCDg) ausdrücklich nicht gewünscht wird. Und da selbst beim Japanerkaninchen die Meinung nicht einhellig ist, braucht man nicht zu erwarten, daß bei den Rhönkaninchen Einhelligkeit herrschen solle.

37) Heinrich Niehaus: Unsere Kaninchenrassen, Bd. II Rassabeschreibungen, Reutlingen 1987.

38) Friedrich Karl Dorn: Rassekaninchenzucht, 7. Aufl., Leipzig -Radebeul 1989.

39) Alfred Franke: Rhönkaninchen, Kaninchen 5/99, S. 4/5.

40) Während der wiederholt zitierte Dr. James N. Pickard (1943) neben Russenkaninchen auch die Allele für Dunkel-Chinchilla = Dark Chinchillation (unser ad), Hell-Chinchilla = Light Chinchillation (unser achi) und Marder-Chinchilla = Marten Chinchillation (unser am) unterschieden hatte, kennt „Het boek der pelsdieren voor keurmeesters en praktische fokkers“ (Venlo 1988, S. 100) neben dem Russenallel nur einen „chinchillafactor“ (unser achi) und ein „licht Chinchilla“ (unser am), was wirklich zu bedauern ist, besonders wenn man auch an die in der Anm. 33 gebrachten Erkenntnisse denkt.

41) Als nicht akzeptabel sind die Farbformelvorschläge für Japaner wie Abje... von H. P. Rinker, Burbach (Kaninchen 8/92, S. 14/15) und übernommen von Karl Semsch (DKZ 12/93, S. 18) und für gestreiftes Wildkaninchengrau wie ABbjCDG/ABbjCDg von Frau Eknigk (DKZ 10/91, S. 19) zu werten, weil der Farbfelderteilungsfaktor eindeutig weder an B noch an b gekoppelt ist. Auch mit dem Holländer-Faktor (s) hat er überhaupt nichts zu tun.
 
 

Referenz

reh. "Das selbständige dominante Farbfelderteilungsgen J." Online-Beitrag. 30. Jul 2008 10:28. Kaninchenwissen.
22. Aug 2019 02:09. http://www.kaninchenwissen.de/knowledge/kb_show.php?id=39.

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