Haltung und Fütterung von Kaninchen
Fakten, Meinungen und Gegensätze

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Artikeltyp: Fachartikel, Veröffentlicht am 5. Apr 2007 14:02 von H.Schmitt
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Hermann Schmitt, Berliner Str. 24, 63517 Rodenbach b. Hanau

Nach Ende des 2. Weltkrieges normalisierte sich das Leben langsam wieder, gleichzeitig veränderten sich die Lebensgewohnheiten und -bedingungen in vielfältiger Weise, z. B. nahm auch der Verzehr von Fleisch zu. Um den hohen Fleischbedarf befriedigen zu können, wurden neue Haltungsmethoden zur Steigerung der Produktion eingeführt. Die Haltung und Zucht tausender Individuen auf möglichst kleinem Raum warf Probleme auf, deren Lösung ohne wissenschaftliche Begleitung und Forschung nicht möglich gewesen wäre. Tierzuchtinstitute der Universitäten beschäftigen sich bis zum heutigen Tag mit der Optimierung von Haltung und Fütterung aus tierschützerischen und wirtschaftlichen Gründen. Ein Betrieb zur Erzeugung von Kaninchenfleisch ist ein Unternehmen, das Gewinn abwerfen muss. Die Produktionskosten müssen so gering wie möglich sein. Dazu sind bestimmte Voraussetzungen unabdingbar. Möglichst viele Kaninchen müssen auf kleinem Raum, bei geringstem Arbeitsaufwand, hoher Reproduktionsrate, möglichst preiswertem Futter bei geringem Futterverbrauch, in kürzester Zeit das Schlachtgewicht erreichen, natürlich unter Beachtung der Tierschutzgesetze. Ganz ohne Frage lag der Entwicklung des Alleinfutters nicht allein das Bemühen zugrunde, Kaninchen optimal zu ernähren. Das Alleinfutter vermindert beim Füttern auch den Zeit- und Personalaufwand beträchtlich. Dem gleichen Ziel dient die Benutzung von Rosten, die nicht allein aus hygienischen Gründen eingeführt wurden, sondern weil sie einen hohen Arbeitsaufwand bei der Reinigung der Boxen ersparen. Die kontinuierliche Zuchtverwendung von Häsinnen hatte nicht allein den Zweck, artgerechte Fortpflanzungsverhältnisse bei den Mastkaninchen nachzuahmen, sondern natürlich auch durch eine große Nachzucht eine akzeptable Rendite zu realisieren. All das ist völlig normal und verständlich, doch sollte einmal nicht allein die tierschützerische Verantwortung herausgestellt, sondern auch die wirtschaftlichen Notwendigkeiten erwähnt werden. Es sind optimale Bedingungen, wenn Tierschutz und Wirtschaftlichkeit Hand in Hand gehen können.

Begriffserklärung

Zuerst eine kurze Klarstellung, um keine Missverständnisse wegen unsauber definierter Begriffe aufkommen zu lassen. Konventionelle Fütterung ist die Fütterungsweise mit Grünfutter, Heu und Gemüse, wie sie vielfach bis etwa 1950 gezwungenermaßen von den meisten Kaninchenhaltern und Züchtern vorgenommen werden musste.
Ab etwa 1950 konnte man jedes Futtermittel kaufen. Kombinierte Fütterung ist die Ernährung mit gehaltvollen und sich ergänzenden Einzelkomponenten, neben Heu auch Getreide, Brot, Kartoffeln usw. und später auch mit Pellets.

Im folgenden Text sind die Zitate ohne Autorennennung Zitate von Herrn Dr. Schlolaut aus Beiträgen in der Kaninchenzeitung. Die Zahlen beziehen sich auf die Ausgabenummern.

Im Text sind meine Meinungen, Vermutungen und Annahmen als solche formuliert und werden nicht als Tatsachen dargestellt.
Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen in der Rassekaninchenzucht bildeten sich zu bestimmten Fakten Meinungen aus, die mit denen von Herrn Dr. Schlolaut nicht übereinstimmen. In diesem Beitrag stelle ich beide Auffassungen gegenüber.

Fütterung

In allen Beiträgen über Haltungs- und Fütterungsfragen wird die Gefährlichkeit erhöhten Stärkeanteils im Futter hervorgehoben.
Ein weit verbreiteter Fehler ist die Ergänzung des pelletierten Mischfutters mit zusätzlichen Getreidegaben oder die Verfütterung von Brot …
21/2006
Ich füttere seit Jahren täglich Brot/Brötchen und mische seit über 1 Jahr zusätzlich Getreide unter die Pellets. Eine erhöhte Erkrankungsrate war nicht feststellbar.
In der Jungtieraufzucht ist das Mischungsverhältnis 1/3 Kraftfutter zu 2/3 Getreide
22/2006, Holger Schlange
Aus Kostengründen wählen die meisten Kaninchenzüchter eine kombinierte Fütterungsmethode.
1/2007, Zuchtfreund R. Arbes
Auch ich bin der Meinung, dass tausende von Züchtern, aus welchen Gründen auch immer, Getreide und Brot neben Pellets füttern. Dass dies 40 Jahre nach Einführung des Alleinfutters immer noch so gehandhabt wird ist ein sicheres Zeichen dafür, dass keine Nachteile gegenüber Alleinfutter zu erkennen sind. Man sollte Kaninchenzüchter nicht für so ignorant halten, dass sie Nachteile in Form hoher Verluste in Kauf nehmen, nur um alte Gewohnheiten und Überlieferungen zu pflegen. Wenn von zwei Systemen eines fehlerhaft ist, wie soll man dann das fehlerhafte erkennen, wenn die Ergebnisse von beiden Fütterungsmethoden gleich sind.

Ich habe nicht das geringste Problem, wissenschaftliche Ergebnisse und Erkenntnisse zu akzeptieren und zu vertreten, wenn die theoretischen Grundlagen und Überlegungen einleuchten und die Ergebnisse reproduzierbar sind.
Wenn es heißt:
Schließlich aber gehören Futtermittel mit hohem Stärkegehalt nicht zum artspezifischen Futterspektrum des Kaninchens
1/2006
so ist dies sicher richtig. Wildkaninchen, die sich aber eine Zeit lang auf einem Kartoffel- oder Zuckerrübenfeld sättigen, müssen auf einen plötzlich hohen Kohlehydratanteil vorbereitet sein, den sie ohne Probleme verdauen können. Ich habe einmal ein Zuckerrübenfeld gesehen, auf dem etwa jede zehnte Zuckerrübe Fraßschäden von Wildkaninchen zeigte. Die Evolution hat das Kaninchen offenbar nicht nur darauf vorbereitet, Zeiten der Not, sondern auch Zeiten des Überflusses zu überstehen, selbst wenn der Überfluss in Form von Brot und Getreide permanent anhält.
Zellulosereiche oder gar verholzte Halme, Stängel und Zweige werden bei ausreichendem Nahrungsangebot verschmäht. Diese frisst das Wildkaninchen, ebenso wie Stroh oder Heu nur, wenn die …Sättigung anderweitig nicht möglich ist.
22/2004
Hauskaninchen müssen sich im Laufe der Domestikation sehr verändert haben, denn sie fressen auch dann größere Mengen Heu, wenn der Futtertrog mit Pellets und Getreide gefüllt ist.
Nur um nicht zu verhungern werden (von Wildkaninchen) in der vegetationsarmen Zeit verholzte und trockene Pflanzenteile aufgenommen, welche sonst verschmäht würden.
21/2006
Es steht außer Frage, dass der Verbiss in den Wintermonaten höher ist als im Sommer. Aber:
„Der Verbiss ist … weitgehend unabhängig von den übrigen Äsungsverhältnissen.“ Zur Biotoppflege kann man „die Anlage kleiner Wildäcker in der Nähe oder zwischen Laufholzkulturen oder am Waldrand“ vornehmen. „Es wäre aber Unsinn zu glauben, mit derartigen Äsungsflächen ließe sich der Laubholzverbiss reduzieren …“
Wildkaninchen und Wildtauben, Bruno Hespeler.
Wenn meine Kaninchen dünne Äste und Rinde fressen, haben sie immer Futter im Trog und Heu in der Raufe, sie fressen dies nicht aus Hunger und nicht aus Rohfasermangel, sondern weil dieses Verhalten offenbar ein Erbteil ihrer wilden Ahnen ist. Es bedarf schon einiger Phantasie daraus zu folgern, dass manche Züchter Äste und Rinde zur Ernährung ihrer Kaninchen verwenden und diese als "artgemäße Futtermittel" 21/2006 empfehlen.
Erst die … Alleinfuttermischung … ermöglichte eine dem Nährstoffbedarf für Fortpflanzung und Wachstum angemessene Ernährung von Rassen, die durch züchterische Maßnahmen größer als Wildkaninchen sind.
21/2006
Damit wäre das Kaninchen die einzige von allen Haus- und Zootierarten, das nicht durch natürliche, vollwertige Nahrungskomponenten optimal ernährt werden kann. Dass unterschiedlich große Haustierrassen unterschiedlich ernährt werden müssen, beschränkt sich offenbar auch nur auf das Hauskaninchen, denn Shetlandponys und Kaltblutpferde werden mit dem gleichen Futter ernährt - letztere fressen nur mehr. Desgleichen macht man keine Unterschiede bei der Fütterung von Zwerg- und Großhühnerrassen.
„Mischfutter mit zusätzlichen Getreidegaben oder die Verfütterung von Brot“ - ist ein Fehler. „Diese Form der kombinierten Fütterung fördert nicht nur den unerwünschten Fettansatz sowie Mineralstoff- und Vitaminmangel. Sie ist auch eine der Hauptursachen für das Auftreten unspezifischer Darmerkrankungen.“
21/2006
Fettansatz ist m. E. keine Frage des Futters sondern des Fütterns. Ich habe verfettete Kaninchen gesehen, die nur Alleinfutter bekamen. Man darf annehmen, dass ein abwechslungsreich ernährtes Kaninchen genauso wenig an Vitaminmangel leidet, wie ein Mensch, der sich vielseitig ernährt. Mineralstoffmangel, vor allem bei säugenden Häsinnen, lässt sich, wenn nötig, leicht mit einem Zusatz von Futterkalk vorbeugen. Das Auftreten unspezifischer Darmerkrankungen wäre ein starkes Argument gegen eine kombinierte Fütterung, wenn diese Krankheiten bei Alleinfutter nicht auch aufträten. Wenn diese Krankheiten durch Alleinfutter stark zu reduzieren wäre, fütterte kein Züchter mehr etwas anderes.
Man sollte auf das Urteil der Kaninchen vertrauen: Diese bevorzugen ein pelletiertes Handelsmischfutter gegenüber dem angeblich artgerechten Heu oder Stroh, wenn sie die Wahl haben.
DKZ 16/2003
Wenn sie die Wahl haben, ziehen viele Kaninchen das Getreide den Pellets vor und lassen letztere liegen. Das ist offenbar bei manchen Individuen eine Geschmacksfrage. Interessant ist zu beobachten, wie unterschiedlich die Geschmäcker sein können. Wenn man ein Gemisch von Pellets und Weizen füttert, so gibt es in meinem Bestand von ca. 60 Kaninchen, zwei, die nur Pellets fressen und das Getreide liegen lassen, zehn fressen zuerst das Getreide und zuletzt die Pellets. Zwei zugekaufte Kaninchen fressen nur Weizen, Brötchen und Heu und lassen Pellets und Karotten liegen. Manchmal dauert es lange, bis zugekaufte Kaninchen das neue Futter annehmen. Diese Beobachtung haben sicher schon die meisten Züchter gemacht.

säugende Häsinnen

Eine längere Säugezeit wird dadurch ermöglicht, dass die Häsin in der Bucht keine Chance hat, sich dem Drängen der Jungen zu entziehen …“.
22/2005
Ich weiß nicht, aufgrund welcher Beobachtungen oder Untersuchungen man zu diesem Schluss kommt. Meine Überlegungen beruhen auf folgenden Beobachtungen. Manchmal setze ich die Häsinnen nur zum Säugen zu ihren Jungen. Mit 45 Tagen werden diese dann abgesetzt. Drei Häsinnen säugten vor dem 45. Tag nicht mehr, obwohl sie stark bedrängt wurden. Am nächsten Tag verhielten sie sich genauso, nach 3 Tagen haben die meisten Jungen nicht mehr versucht zu saugen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Junge ihre Mütter "zwingen" können, sie saugen zu lassen, wenn die Häsinnen nicht wollen. Mir ist nie aufgefallen, dass ältere Jungtiere ihre Mütter bedrängen um zu saugen.

Bisher konnte man immer lesen, dass eine Säugezeit unter 30 Tagen bei Wildkaninchen artspezifisch ist. Eine Säugezeit über 30 Tage bei Hauskaninchen wurde als unnatürlich angesehen. Durch neuere Untersuchungen ist die Frage der natürlichen Säugezeit geklärt.
In Abhängigkeit davon, ob die Häsinnen bereits wieder trächtig sind, säugen die Häsinnen ihre Jungen mehr oder weniger lange. Direkt nach der Geburt des Wurfes erfolgreich gedeckte Häsinnen stellen das Säugen der Jungen zwischen dem 27. und 29. Lebenstag ein und beginnen erneut, eine Satzröhre bzw. ein Nest zu bauen. Nicht trächtige Häsinnen säugen ihre Jungen dagegen bis in deren 9. Lebenswoche.
Rodentia 36/2007, S. 24-25, Dr. Dieter Selzer
(Es) unterliegt … keinem Zweifel, dass Verletzungen … der Zitzen durch die Jungtiere (entstehen) … wenn diese sich an den Zitzen mit den Zähnen festhalten …
Ich gehe davon aus, dass diese Erkenntnis das Ergebnis einer Untersuchung im Zusammenhang mit Zitzenverletzungen ist. Trotzdem möchte ich meine Beobachtungen und die sich daraus ergebenden Folgerungen darlegen. Meine Überlegungen beruhen auf der Annahme, dass die Methode zu Saugen bei allen Jungen der Säugetierarten gleich ist. Meine Beobachtungen beziehen sich auf Hundewelpen. Man kann dabei sehen, dass die Zunge beim Saugen halbkreisförmig von unten um die Zitze gelegt wird. Die Zähne des Unterkiefers liegen dabei hinter der Zungenspitze. Zieht man einen saugenden Welpen von der Zitze ab, so hört man deutlich das Geräusch des Druckausgleichs, d.h. beim Saugen entsteht ein Unterdruck, der zwischen Maul und Zitze eine feste Verbindung erzeugt. Die Jungen können also nicht so einfach von der Zitze abgedrängt werden. Man darf auch annehmen, dass die physikalischen Kräfte, die dabei wirken, in engen Grenzen konstant sind und von den Welpen nicht beeinflusst werden können. Im Laufe der Evolution hat sich diese Art zu saugen wohl als die schonendste Methode bewährt.
Hielte sich ein Welpe nur mit den Zähnen fest, bisse er wohl in dem Augenblick heftiger zu, indem er an der Zitze bedrängt wird. Dies führte wahrscheinlich zu häufigen Verletzungen der Zitzen (damit keine Verletzungen am Gesäuge entstehen, schneidet man den Welpen die Krallen).

Vor mehr als 40 Jahren sagte mir mein Chef einmal: Bevor man eine Antwort akzeptiert, muss man sie zuerst von allen Seiten beleuchten und bis zum Ende durchdenken. Solche Art der Überlegungen wirken manchmal kleinlich und lassen an Haarspalterei denken. Was damit gemeint ist, soll an einem Beispiel gezeigt werden.
… bei Rosell (waren) Erkrankungen des Gesäuges bei 509 eingegangenen Häsinnen mit ca. 8 % an den Verlusten beteiligt.
22/2005
Das ist eine hohe Zahl, die durchaus den Schluss zulässt, dass einem Züchter, der bisher noch keine Verletzungen am Gesäuge beobachtet hat, die Diagnose Schwierigkeiten bereitet.
Diese Information bedeutet, 509 eingegangene Mastkaninchen wurden innerhalb eines unbekannten Zeitraumes untersucht und stammen aus einem Bestand unbekannter Größe. Diese Information lässt keine Rückschlüsse auf die Verlust- und Verletzungsrate des Gesamtbestandes zu. Es bedarf einiger Annahmen, um sich darüber ein realistisches Bild zu machen. Nimmt man an, dass von 1000 säugenden Häsinnen im Jahr 3 % eingehen, dann leiden 8 % von diesen 3 % verstorbener Häsinnen an Verletzungen des Gesäuges, dies sind 8 % von 30 = 2,4 Fälle von 1000 säugenden Häsinnen. Diese Häsinnen sind eingegangen während einer Säugeperiode. Nimmt man weiter an, Mastkaninchenhäsinnen haben im Jahresdurchschnitt 7 Würfe – also 7 Säugeperioden (40 – 50 Kaninchen pro Häsin im Jahr“ 9/2006, Prof. Dr. Hoy), so findet man bei 7000 Säugeperioden in 2,4 Fällen ein verletztes Gesäuge. Ob nun die Beobachtungen von Züchtern, die verletzte Gesäuge nicht kennen, im Widerspruch zu obigen Zahlen stehen oder nicht, ist wohl Ansichtssache.
Für die Milchbildung werden mehr Nährstoffe benötigt, als die Häsin mit dem Futter aufnehmen kann. Dass auch bei beliebiger Aufnahme eines pelletierten Alleinfutters die säugende Häsin den Nährstoffbedarf für die Milchbildung nicht aus dem Futter aufnehmen kann und deshalb Körpersubstanz zusetzen muss, wurde von Xiccato und Mitarbeiter festgestellt.
22/2005
Ich verfüge nur über Daten mit kombinierter Fütterung, d.h. mit unrationierten Mengen von Heu oder Gras, Pellets, Weizen, Brot und gelegentlich Kartoffeln und Gemüse. In der Tabelle werden die Durchschnittsgewichte säugender Häsinnen zwischen dem 15.-19. und 40.- 44. Säugetag dargestellt im Vergleich zum Gewicht des 6. Säugetages. Die Häsinnen zogen zwischen 5 und 8 Junge auf. Aus der Tabelle ist die individuelle Variationsbreite zu ersehen, aber auch, dass eine kombinierte Fütterung nicht zu drastischen Gewichtsverlusten bei säugenden Häsinnen führt.
TagHäsin 1Häsin 2Häsin 3Häsin 4Häsin 5Häsin 6Häsin 7
6.3.955 g3.400 g3.340 g3.200 g3.145 g3.205 g3.025 g
15.-19.3.898 g3.442 g3.415 g2.985 g3.195 g3.216 g3.005 g
40.-44.4.060 g3.370 g3.426 g3.014 g3.173 g3.290 g2.973 g
Unter den Haustieren weist es (das Kaninchen) die höchste Verlustrate auf und erreicht bei konventioneller Haltung noch nicht einmal die Fortpflanzungs- und Wachstumsleistungen des Wildkaninchens.
22/2005
Dieser historische Rückblick ist nicht zu bezweifeln. Wie ich konventionelle Haltung verstehe, wird diese allerdings seit mehr als 50 Jahren von kaum einem Züchter angewendet. Bei kombinierter Fütterung können Ergebnisse aus meiner Praxis genannt werden. Zwischen Mai bis Oktober 2006 wurden von mir 85 Kaninchen gezüchtet. Bis zum 70. Tag verstarben 4 Jungtiere an Verdauungsstörungen, sie zeigten aufgetriebene Bäuche.
Zwei Jungtiere aus einem Wurf verstarben innerhalb eines Tages ohne Krankheitssymptome. Die verstorbenen Tiere hatten etwa das Gewicht der Lebenden.
Zwei Häsinnen wurden bei kombinierter Fütterung einem "Fruchtbarkeitstest" unterzogen. Zwischen Januar und September 2006 hatte eine Häsin 5 Würfe mit insgesamt 29 Jungen. Die andere hatte 4 Würfe mit 25 Jungen, wobei keine kontinuierliche Zucht angestrebt wurde.
In mitteleuropäischen Populationen (von Wildkaninchen) werden im Schnitt weniger als 3 Sätze realisiert; ein Näherungswert von etwa 2,5 kann vorläufig als Berechnungsgrundlage dienen.
"Feldhase und Wildkaninchen" aus der Zeitschrift Wild und Hund, Prof. Dr. Axel Siefke

Durch wissenschaftliche Untersuchungen ist geklärt, dass Alleinfutter der konventionellen Fütterung weit überlegen ist. Die Frage, die sich dabei stellt, ist: Wurde in wissenschaftlichen Vergleichsversuchen geklärt, in welchen Punkten und in welchem Maße, die kombinierte Fütterung unter Bedingungen der Rassekaninchenhaltung dem Alleinfutter unterlegen ist, oder beruhen die Warnungen vor bestimmten Fütterungstechniken in der Rassekaninchenzucht auf Analogieschlüssen, die aus den Erfahrungen der Mastkaninchenzucht hergeleitet werden?
Im Bereich der exakten Wissenschaften ist es üblich, Vergleichsversuche, d.h. Parallelversuche unter veränderten Versuchsbedingungen, durchzuführen. Dies führt meist zu unterschiedlichen Ergebnissen, die nicht gewertet, sondern zur Kenntnis genommen werden, um aus ihnen Zusammenhänge besser zu verstehen. Die Bedingungen der Mastkaninchen- und Rassekaninchenzucht unterscheiden sich in so mannigfacher Weise und so vielen Parametern voneinander, dass man keine übereinstimmenden Ergebnisse erwarten kann. Die unterschiedliche Unterbringung und Fütterung z. B. mit und ohne Heu, sowie das völlig andere Tiermaterial sind Faktoren, die die Ergebnisse beeinflussen können. Die Diskussion über die Gefährlichkeit von Getreide- und Brotgaben erscheint mir wenig sinnvoll, solange nicht geklärt ist, wie viel Stärke und in welchem Verhältnis Stärke zu Heu Kaninchen bei kombinierter Fütterung im Vergleich zu Alleinfutter aufnehmen. Aber allein die Erfahrungen, die tausende von Züchtern mit kombinierter Fütterung haben, zeigen, dass von einem erhöhten Stärkeanteil im Futter keine Gefahr ausgeht.

Roste oder Stroh?

Bei Temperaturen über 15 °C werden sie (Metallroste) gegenüber den mit Stroh eingestreuten Flächen bevorzugt.
21/2006

Daraus muss man folgern, dass Kaninchen unterhalb oder gar weit unterhalb von 15 °C lieber auf Stroh sitzen. Die Frage, die sich stellt: Kann man Züchtern, die ihre Boxen im Freien oder in unbeheizten Räumen stehen haben, Roste empfehlen? Oder wäre es aus tierschützerischen Gründen nicht richtiger zu empfehlen, Kaninchen im Sommer auf Rosten und im Winter auf Stroh zu halten.

Eine Meinungsbildung ist ein sehr individueller und komplexer, von vielen Faktoren abhängiger Prozess. Er beruht auf persönlichen Erfahrungen, Kenntnissen, Wissen, Beobachtungen, sicher auch auf speziellen Interessen und einer ganz spezifischen und vielleicht angeborenen Sichtweise, die Dinge zu beurteilen. Am Ende bildet sich nur eine subjektive Meinung, die man nicht als Überzeugung ansehen sollte. Erst wenn sie sich in vielen Jahren Erfahrung, oder noch besser, im experimentellen Versuch bestätigt, wird sie zur Tatsache. Auf diesen Grundlagen bildete ich mir meine Meinungen und Auffassungen, die ich denen von Herrn Dr. Schlolaut entgegenstelle. Ich stelle keinen Anspruch darauf, dass meine Vorstellungen richtiger sind, als die eines Anderen. Jeder Leser kann sich die Aussagen zueigen machen, die er für richtig hält. Wenn sich einige meiner Meinungen von den Auffassungen des Herrn Dr. Schlolaut unterscheiden, so äußere ich mich nicht, weil ich Freude an Kritik habe, sondern weil ich glaube, dass eine Diskussion, auch wenn sie kontrovers geführt wird, immer noch anregender ist, als alles hinzunehmen und zu schweigen.
 
 

Referenz

H.Schmitt. "Haltung und Fütterung von Kaninchen." Online-Beitrag. 5. Apr 2007 14:02. Kaninchenwissen.
20. Jan 2019 06:12. http://www.kaninchenwissen.de/knowledge/kb_show.php?id=29.

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