Die Darmlähmung beim Kaninchen
Mukoide Enteritis - Enterocolitis - ME - Rabbit Epizootic Enteropathie - REE

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Artikeltyp: Fachartikel, Veröffentlicht am Fr 9. Mär. 07, 19:22 von reh
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Ich danke Frau Gertrud Rossi für das zur Verfügung gestellte Material und ihre Hilfe bei diesem Artikel. Weitere Informationen haben sich im Laufe der Zeit aus verschiedenen Internet- und Zeitungsartikeln angesammelt.

Einführung, Symptome, Wirkmechanismen

Leider sind im Internet noch eine ganze Reihe veralteter Artikel zu diesem Thema in Umlauf und auch in der Kaninchenzeitung werden z.T. Artikel veröffentlicht , die (basierend auf mehrere Jahre alten Daten) den Eindruck erwecken, dass die Ursache der Erkrankung noch unbekannt sei. Dadurch wird viel Verwirrung gestiftet, die betroffenen Züchter verunsichert und letztendlich eine effektiven Behandlung erkrankter Bestände verhindert.

Hier ein Artikel von Frau Rossi (pdf): Darmlähmung

Einführung

Länderübergreifend hat unter den Darmerkrankungen des Kaninchens die Darmlähmung in den letzten 10 Jahren die schnellste Ausbreitung erfahren. Seit 1997 werden auch die Bestände deutscher Kaninchenzüchter von der ansteckenden Darmlähmung heimgesucht, welche mittlerweile auch in Deutschland ein ernst zu nehmendes Problem ist. Aufgrund ihrer flächendeckenden Verbreitung wird sie in Westeuropa als Rabbit Epizootic Enteropathie (REE) bezeichnet. Sie ist ansteckend, übertragbar und reproduzierbar.

Ein Ausbruch der Krankheit im Bestand ist ganzjährig möglich. Meist kommt es dazu jedoch nach dem Absetzen. Bei einem Erstausbruch der Darmlähmung im Bestand sterben etwa 80% der Jungtiere und ca. 25 % der Zuchttiere daran. Später bleibt die Krankheit im Bestand fort bestehen, fordert aber nicht mehr so viele Opfer.

Während im Frühjahr 2002 nach Schätzungen 60% der Kaninchenbestände mit Darmlähmung zu kämpfen hatten, sind zum Winterende 2005 bereits 85% der betreuten Bestände befallen. Darmlähmung und E. Coli-Erkrankungen treten in Kaninchenbeständen häufig abwechselnd oder gleichzeitig auf. Eine sichere Diagnose kann nur mit Hilfe eines mikrobiologischen Labors gestellt werden.

Die rapide Ausbreitung der Krankheit hat mit der Kommunikation unter den Züchtern und Tiere (Ausstellungen) zu tun, im Mastbereich möglicherweise mit der Verteilung der Zuchttiere. Die rasche Verbreitung kann möglicherweise nicht beeinflusst werden, trotzdem ist eine Sanierung der einzelnen Bestände durch Selektion und ein geeignetes Impfprogramm möglich.

Symptome

Schleimgefüllter Dünndarm und geleeartiger Schleim

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Blinddarm mit verhärteten Inhalt

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Zwei bis drei Tage vor dem ersten Auftreten von Durchfällen verringert sich die Futteraufnahme bis zur völligen Verweigerung, die Tiere wirken benommen und bewegen sich kaum. Die betroffenen Tiere setzen zum Teil dünnbreiigen oder auch gallertartigen, schleimigen Kot ab, der dumpf und faulig riecht. Die Bäuche der Tiere sind oft stark gebläht und sie knirschen mit den Zähnen. Beim Abtasten fühlt sich der Blinddarm zunächst wie Knetmasse, später zunehmend hart an. Typisch ist auch ein Gluckern (Geräusch eines fallenden Wassertropfens) beim Hochheben des Tieres sowie das Fehlen von Fieber.
Bakteriologisch wird das Clostridium perfringens aus dem Darm isoliert, oftmals zusammen mit Escherichia coli. Gelegentlich sind auch andere Clostridien zu isolieren.
Bei der septischen Form wird C.perfringens in der Lunge, Herz und Leber in Reinkultur gefunden, es kommt es zu einer Ansammlung blutiger Flüssigkeit im Bereich der Lunge und des Bauchfells und zum Blutstau in den Organen.
Die Clostridien (Bakterien ähnlich Tetanus) verursachen durch ihr Gift eine Darmlähmung, während E.coli einen eher wässrigen Durchfall verursacht. Bei Infektionen durch E.coli, ohne Beteiligung von Clostridien, findet man keine Verhärtungen im Blinddarm und der Bauch ist nicht unbedingt gebläht. Außerdem lässt sich oftmals ein Geruch nach Kuh- oder Schweinemist feststellen.

Die Dauer von der Infektion bis zum Sichtbarwerden der Erkrankung kann 2 Tage oder auch wesentlich länger betragen, abhängig von der Menge der vorhandenen Clostridien und damit der Menge des Giftes, welches sich im Darm anreichert und dessen Funktion stört.

Bitte beachten:
Auf Laborbefunden steht häufig, dass E.coli ein Bestandteil der natürlichen Darmflora der Kaninchen sei. Zu einer Erkrankung komme es nur bei einer durch Parasiten, Fütterunsfehler
o.ä. hervorgerufenen Darmstörung, welche dan zur massenhaften Vermehrung von E.coli führt. Frau Rossi dagegen vertritt die Meinung, dass E.coli im Kaninchendarm nichts verloren hat.
Auch die Clostridien hielt man in Westeuropa für zur normalen Darmflora gehörend, das ist aber nur bei Fleischfressern der Fall. Aber Kaninchen und auch Meerschweinchen gehören zu den empfindlichsten Arten gegenüber C.perfringens und dessen Giften.
Viele Veterinäruntersuchungsämter suchen von sich aus nicht nach C.perfringens. Bei der Einsendung verdächtiger Tiere muss die Untersuchung auf C.perfringens und das Alpha-Toxin ausdrücklich nachgefragt werden. Gleichzeitig sollte eine stallspezifische Vakzine bestellt werden.

Beim Sezieren erkrankter Tiere kann man folgendes feststellen:

Darm eines seit 2 Tagen auffällig gewesenen Jungtieres

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(für größeres Bild dieses anklicken)
1 = Magen
2 = Dünndarm, mit Flüssigkeit und Gas gefüllt
3 = Blinddarm, z.T. schleimiger, z.T. bereits verdickter Inhalt
4 = Dickdarm, noch mit dunklem Kotbrei gefüllt

Blutige Flüssigkeit im Bauchraum, geblähter Darm

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  • der Darm zeigt keine Peristaltik (prüfen, indem man ihn mit der Messerspitze antippt, beim frisch geschlachteten, gesunden Tier bemerkt man eine leichte, sanfte, großflächige Bewegung der Darmwand)
  • der Dickdarm ist im Endstadium durch eine feste, durchsichtige, gelatineartige Masse verstopft
  • im Blinddarm befindet sich knetmasseähnlicher bis harter Kot
  • im Dünndarm befindet sich Flüssigkeit
  • Blutstau in den Organen (nicht bei E.Coli)
  • Blutige Flüssigkeit in der Brust- und Bauchhöhle
  • evtl. Leber von weißlicher Schicht (Eiweiß) überzogen
  • evtl. blutige bis fibrinöse Entzündung des Darmgewebes.

Darminhalt

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1 aus dem Dünndarm, 2 aus dem Blinddarm, 3 aus dem Dickdarm des Bildes rechts mit den Nummern.




Bei einer Gewebeuntersuchung lässt sich folgendes feststellen:
  • Verlust des Darmepithels und Zottenschwund
  • Vermehrung und Vergrößerung der Darmdrüsen
  • Entzündliche Schwellung der Lymphknoten (--> die können keine Antikörper mehr bilden)
  • Nekrose und Verkalkung lymphatischer Gewebe
  • Blutfülle von Leber, Niere, Lunge und Herz

Wirkmechanismen

Das Alpha-Toxin, ein Hauptgift der Clostridien, wird von allen Arten gebildet. Weitere Gifte sind nur bei jeweils einigen Arten vorhanden. Durch das Alpha-Toxin werden die glatten Muskeln des Darmes gelähmt. Daraus ergibt sich das Hauptmerkmal der Krankheit, die Unfähigkeit eines mehr oder weniger langen Darmabschnittes, peristaltische Bewegungen auszuführen. Die dadurch angestauten Kotmengen können zu einem Darmverschluß (bis zum Darmriss) führen. Der Darmes reagiert mit einer Überproduktion von gallertartigem Schleim (mukoide Enteritis) im Dünndarm und/oder im Dickdarm. Außerdem kann es zu Gefäßschäden kommen, die eine Ansammlung blutiger Flüssigkeit im Bereich der Lunge und des Bauchfells verursachen.
Die E.coli-Bakterien heften sich an die Darmzellen an, worauf hin diese ihre Funktion von "Wasser und Elektrolyte adsorbieren" in "Bakterie festhalten" ändern. Wasser und Elektrolyte werden ausgeschieden, es gibt Durchfall. Über die durch E.coli geschädigten Darmzotten kann die Vergiftung der Darmmuskeln durch das Gift der Clostridien besonders leicht erfolgen.
Das Kaninchen ist in der Lage, Antikörper gegen das Alpha-Toxin zu bilden, doch durch die gestörte Funktion des Darmes kommt es zu einer Mangelernährung des Tieres, was die Bildung von Antikörpern einschränkt, da dafür Eiweiß nötig ist. Außerdem zerstört das Alpha-Toxin die Immunzellen.
Auch kann E.coli die Ursache für Abort und Totgeburten sein.


Krankheitsfördernde Faktoren, Behandlung, unterstützende Maßnahmen


Krankheitsfördernde Faktoren

Der Ausbruch der Darmlähmung kann durch folgende Faktoren begünstigt werden:
  • Infektionen mit Staphylokokken (Eitererreger --> Abszesse) - diese zerstören die weißen Blutkörperchen, welche für die Immunabwehr nötig sind
  • im Bestand vorhandene Pasteurellose ("Schnupfen") - die Antikörper sind anderweitig beschäftigt
  • Befall durch Haarwürmer - diese kratzen an der Darmwand und fördern durch die entstehenden Mikro-Verletzungen Infektionen aller Art. Diese Wurmart ist in Deutschland kaum bekannt und wird bei mikroskopischen Untersuchungen oft mit Pflanzenfasern verwechselt (Foto, die Haarwürmer sind oft zerbrochen und nur stückweise zu finden).
  • Kokzidiose (ist in der Regel Vor- oder Nachfolgeerkrankung, nicht die Todesursache)
  • Fütterung von Weizen - dessen Klebereiweiß ist eine hochverdauliche Nahrungsgrundlage für die Clostridien

Behandlung

Beim akuten Ausbruch der Erkrankung behandelt man den gesamten Bestand über das Trinkwasser. Bei Verdacht auf Darmlähmung verabreicht man Pulmotil oder Tiamutin gegen die Clostridien. Bei Verwendung von Tiamutin darf nicht gleichzeitig Kokifutter gefüttert werden, da die Wirkstoffe sich nicht vertragen, deshalb ist eher Pulmotil zu empfehlen.
Beim Vorliegen einer Darmlähmung sollte nicht mit Sulfonamiden behandelt werden, da diese dann schlecht verträglich sind (Kokzidiosebehandlung mit Baycox oder Kokifutter).
Bei Mischinfektionen mit E.coli muss zusätzlich mit Colistinsulfat (z.B. Animedistin, Colistin) behandelt werden.
Die Dosierung kann, je nach Menge der zu betreuenden Tieren und persönlichen Vorlieben in g/l Wasser oder in g/kg Kaninchen erfolgen. Im Pulmotil ist Maisgranulat als Trägerstoff enthalten, deshalb sollte man es (wenn man es nicht in Trinknäpfen verabreicht) nach dem Auflösen in Wasser filtern (Küchenpapier). Tränknippel u.ä. kann man damit nämlich sehr gut verstopfen.
Bereits erkrankten Tieren (die oft nicht mehr trinken) gibt man die Medikamente mittels einer Plastikspritze direkt ins Maul. Dafür verwendet man entweder ein g/kg-Dosierung oder die g/l-Dosierung in 20-facher Konzentration (2x tgl. 2-3 ml verabreichen, mehr werden sie sich nicht einflößen lassen).

Wenn euer TA Bedenken hat, weil die genannten Medikamente nicht speziell für Kaninchen zugelassen sind, könnt ihr darauf hinweisen, dass eine Umwidmung von für andere Tierarten zugelassenen Medikamenten möglich ist, wenn kein für die Behandlung der Erkrankung geeignetes Medikament für diese Tierart zugelassen ist (Arzneimittelgesetz).

Beim Auftreten dieser Erkrankung ist schnelles Handeln angesagt, um noch einige Tiere zu retten. Da eine Untersuchung (Kot oder erkranktes Tier) aber mehrere Tage dauert, gibt man bei begründetem Verdacht auf Darmlähmung vorsorglich beide Medikamente gleichzeitig, eventuell in Verbindung mit einer Kokzidiosebehandlung. (Die negativen Eigenschaften von Antibiotika sind bei einem Medikament genauso groß wie bei 2 oder 3 Medikamenten, aber für das Kaninchen kann es den Unterschied zwischen Überleben und Sterben ausmachen.)

In jedem Fall sollte man ein verendetes/getötetes Tier und oder Kotproben zur Untersuchung einsenden (siehe ), da nur so ein stallspezifischer Impfstoff hergestellt werden kann, mit dem man dann den gesamten Bestand und jedes neu hinzukommende Tier impfen lässt.

Die Impfung ist die einzige Alternative, um den Einsatz von Antibiotika, auch im Sinne des Verbrauchers, zu reduzieren. Gegen E.coli muss immer ein stallspezifischer Impfstoff erstellt werden, da es zu viele Varianten davon gibt. Derzeit wird versucht, ein allgemeiner Impfstoff gegen das Alpha-Toxin der Clostridien zu entwickeln. Man erhält dann je nach Bedarf diesen Impfstoff oder eine Kombination von diesem mit dem stallspezifischen.
Ein akut erkrankter Bestand wird immer zuerst medikamentös behandelt, anschließend kann dann die Impfung erfolgen.

:!:Das Impfen der Tiere mit diesem Impfstoff beeinflusst in keinster Weise ihre Verwertbarkeit, es ist keine Wartezeit einzuhalten.:!:

Damit lässt man folgendermaßen impfen:
  • beim 1. Auftreten den gesamten Bestand
  • alle Zuchthäsinnen vor Beginn der Zuchtsaison
  • Jungtiere im Alter von 25 und 45 Tagen

Da die Clostridien-Sporen trotz desinfizierender Maßnahmen Jahre in den Ställen überdauern und auch durch Kontakte der Züchter und Tiere untereinander (Ausstellungen) immer wieder Clostridien eingeschleppt werden können, sollten regelmäßig mit diesem Impfstoff geimpft werden.
Als Minimalbehandlung ist das Impfen der für die Zucht vorgesehenen Tiere zu empfehlen, wobei die Jungen wenigstens in einem gewissem Maße durch die Antikörper von ihren Müttern mit geschützt sind.

:!: Jegliche Medikamentengabe hat ausschließlich auf Anraten des Tierarztes zu erfolgen :!:

Bitte nicht selbst herum experimentieren!
Dieser Text kann dabei gerne zur Information des Tierarztes verwendet werden. Eine Empfehlung der Bayerischen Landestierärztekammer findet man hier: http://www.bltk.de/html/aktuelles/mukoide.html

Bei verdeckten Infektionen der Häsinnen und gelegentlichem Aufflammen der Erkrankung (wegen der im Stall noch vorhandenen Sporen) erfolgt eine Behandlung der Muttertiere und der Würfe mit oben genannten Medikamenten von ca. der 4. Woche an 3 Wochen.
Wenn man (verständlicherweise) den Einsatz von Antibiotika minimieren will, empfiehlt es sich, die Jungtiere, besonders nach dem Absetzen, genau zu beobachten (was bei der Haltung sehr vieler Tiere nicht immer möglich ist) und erst beim Verdacht auf erneuten Ausbruch der Erkrankung sofort zu behandeln. Wenn man Glück hat und einzelne erkrankte, weil immunschwache Tiere sofort aus dem Wurf entfernt, bevor sie Durchfall bekommen, kann es sogar sein, dass es bei diesen Einzelfällen bleibt und die anderen auch ohne Medikamentengabe nicht erkranken. In jedem Fall ist ausführliches Beobachten der gefährdeten Tiere nötig.

Von allen Zuchthäsinnen sollte man vor dem Deckenlassen eine Kotprobe untersuchen zu lassen. Beim Vorliegen von E.coli-Bakterien in größeren Mengen oder Clostridien sollten diese bekämpft werden. Diese Behandlung ist auch noch während der Trächtigkeit möglich, wenn man es vorher versäumt hat. Setzt man die geimpfte und behandelte Häsin dann noch in einen desinfizierten Stall (siehe auch Desinfektion - Sinn oder Unsinn?), haben die Jungen gute Chancen, gesund groß zu werden.

Vorbeugung

:!: Die einzig sichere Vorbeugung ist die (in Entwicklung befindliche) Impfung :!:

weitere unterstützende Maßnahmen
  • In gefährdeten Beständen Jungtieren, trächtigen und säugenden Häsinnen regelmässig (nicht dauernd) das Immunsystem stärkende bzw. keimmindernde Kräuter (z.B. Oregano, Melisse, Thymian, Lindenblüten - als Kraut oder als Tee, Walnussblätter, Weidenäste usw.) oder Trinkwasserzusätze geben.
  • allgemeine Sauberkeit
  • Überbesetzung der Ställe vermeiden.
  • Nicht nur Pellets sondern auch „Wiese“ füttern, darin sind viele Pflanzen, die u.a. eine positive Wirkung auf den Darm haben (z.B. Wegerich, Bärenklau, Löwenzahn, Hirtentäschel)
  • gelegentlich Äste von Eiche oder Weide füttern (in Maßen, nicht in Massen)
  • nach dem Absetzen weniger Eiweiß (max. 16%) und mehr Rohfaser (min. 20%) = weniger Getreide und mehr Heu oder besser noch Grün
  • ausreichend Bewegunsmöglichkeit (nicht zu kleine Boxen, evtl. Freilauf auf einer Wiese, Jungtiere in größerem Laufstall halten)
  • bei Vorhandensein von Würmern und anderen Parasiten diese bekämpfen
  • Bekämpfung von Ratten, Mäusen und auch Milben u.ä. als mögliche Überträger

Forschung

E.Coli-Ausscheider und C.perfringens-Infektionen in Kaninchenbeständen

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Die Darmlähmung ist nicht auf Bestände beschränkt, die zuvor schon E.coli-bedingte Durchfallprobleme hatten. Ehemals E.coli-Problembestände senden heute Tiere mit von Clostridien verursacher Darmlähmung. Die Abbildung zeigt, dass unter Beständen mit 0-20% E.coli-Ausscheidern ebenso viele von Darmlähmung betroffen sind wie unter Beständen mit 80-100% E.coli-Ausscheidern.

Hinweise auf eine ursächliche Beteiligung des Alpha-Toxins der Clostridien ergeben sich aus mehreren Daten:
  • Die Mehrzahl der isolierten C.perfringens-Stämme geben nur Alphatoxin ab.
  • Im Blut erkrankter Kaninchen wurden hohe Antikörpertiter gegen das Alphatoxin ermittelt. (Diese Antikörper bekämpfen das Gift, so wie sie auch Bakterien bekämpfen)
  • stallspezifische C.perfringens-Impfstoffe sind wirksam
  • Beim Versuch, mit Alphatoxin die Muskelspannung eines gesunden Kaninchendarmes zu beeinflussen, wurde schon nach einer Stunde eine deutliche Verringerung der Antwort auf entsprechende Neurotransmitter erzielt. Diese schritt nach 80 min auch ohne weitere Zugabe des Toxins fort, was auf die stabile Bindung des Toxins an die Zellmembran hinweist.

Muskelspannung des Darmes bei Behandlung mit dem Alpha-Toxin
Die 4 farbigen Linien zeigen die Werte von 4 verschiedene Proben

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Erst nach gelungener experimenteller Infektion mit einerseits den Sporen des Erregers und andererseits seines Giftes ist entgültig bewiesen, dass C.perfringens der Verursacher der Darmlähmung ist. Es steht aber jetzt schon fest, dass die Bekämpfung von C.perfringens und die Impfung gegen diesen Keim die Krankheit zum Stillstand bringt.

Um einen wirksamen Impfstoff gegen das Gift der Clostridien herzustellen, muss man zuerst mal wissen, welche Clostridien beim Kaninchen vorkommen. Die in 5 Gruppen eingeteilten Clostridien bilden verschiedene Gifte, gefährlich scheint außer dem Alpha- auch noch das Beta2-Toxin zu sein.
Diese zur Gruppe der Eiweiße gehörenden Gifte bestehen aus langen Ketten von Aminosäuren. Die vom Körper zu bildenden Antikörper erkennen so ein Gift nicht komplett, sondern an einzelnen Stückchen aus der Kette. Sind diese "Erkennungszeichen" der Gifte verschieden, erstreckt sich der Impfschutz nur auf die Gifte, gegen die er geplant war, andere lassen das Tier trotzdem erkranken.
Die Gifte der Clostridien bei verschiedenen Tierarten sind z.T. sehr unterschiedlich, z.B. würde eine Impfung gegen die Toxine, die für Schweine entwickelt wurde, bei Kaninchen überhaupt nicht wirken, da die Gifte völlig andere Erkennungszeichen haben.
Ziel der diesbezüglichen Forschungen ist es, die Toxine und ihre Erkennungszeichen zu entschlüsseln, um einen möglichst umfassenden Impfschutz gegen die wichtigen Gifte der meisten im Umlauf befindlichen Clostridien (in Deutschland wurden beim Kaninchen bisher 84 Arten identifiziert) zu entwickeln.
Bereits für diesen Winter sind erste Feldversuche mit dem Impfstoff geplant.

Links zum Thema


Artikel
Erfahrungsberichte sonstiges
 
 

Referenz

reh. "Die Darmlähmung beim Kaninchen." Online-Beitrag. Fr 9. Mär. 07, 19:22. Kaninchenwissen.
So 28. Aug. 16, 11:19. http://www.kaninchenwissen.de/knowledge/kb_show.php?id=12.